„Die Leute hatten Angst um mich!“

Braunschweig  „Das Millionenspiel“ und die Folgen – Schauspiel-Altstar Jörg Pleva gastiert in der Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt

Jörg Pleva (70) im Gespräch in der Braunschweiger Komödie.

Foto: Jasper

Jörg Pleva (70) im Gespräch in der Braunschweiger Komödie. Foto: Jasper

Wer vor vierzig Jahren das Fernsehspiel „Das Millionenspiel“ gesehen hat, dem hat er sich in die Erinnerung gebrannt. Der hagere junge Mann mit schmalen, knochigen Zügen und großen schwarzen Augen, die, vor Angst geweitet, vor Müdigkeit brennend, unruhig flackernd die Umgebung abtasteten.

Das war der Schauspieler Jörg Pleva. In der damals heiß diskutierten und heute erschreckend prophetisch erscheinenden Mediensatire spielte er einen Mann, der sich in einer fiktiven Fernsehshow für eine Million Mark auf Leben und Tod von einer Verbrecherbande jagen lässt.

Der Mann, der uns in der Braunschweiger Komödie gegenübersitzt, hat immer noch diese großen, ausdrucksstarken Augen. Aber nichts Gehetztes mehr. Er ist fülliger geworden, stützt sich auf einen Stock und blickt behaglich auf ein wechselvolles Schauspielerleben zurück.

„Das ,Millionenspiel’ war für mich ein Glücksfall“, sinniert er. „Es hat die Leute unglaublich bewegt. Für viele verschwamm die Fiktion mit der Wirklichkeit. Viele hatten Angst um mein Leben! Sogar meine Mutter wurde gefragt: Was treibt denn Ihren Jungen um Himmels willen dazu, sich so etwas anzutun!?“

Dank der Arbeit mit Regisseur Tom Toelle bekam er zum ersten Mal das Gefühl, sein Metier wirklich zu beherrschen. „Davor habe ich bei Drehs oft gedacht: „Hoffentlich merkt keiner, dass ich das eigentlich gar nicht kann!“ Pleva wurde zu einem markanten Fernsehgesicht.

Aber heute...

„...kennen mich die Meisten schon gar nicht mehr“, vollendet er den vorsichtigen Journalisten-Satz. Ohne Gram.

Der Grund: Er hat sich längst aus dem TV-Geschäft zurückgezogen. „Zu unkünstlerisch“, sagt er knapp. Zu wenig Zeit, sich in eine Szene einzufühlen, etwas auszuprobieren, zu wiederholen, bis es wirklich stimmt. „Da wurde schnell gesagt: Super, prima, ist im Kasten. Wenn ich mich hinterher gesehen habe, fand ich das oft gar nicht gut. Ich sah die Panik in meine Augen!“

Pleva spielte Theater, gründete eine Komödiantentruppe, zog mit Molière durch Europa („der größte Schreiber von Charakteren, den zu spielen ist die reine Wonne“). Dann gründete er ein Zelttheater für Einakter in Hamburg, warf sein ganzes Geld hinein, ging pleite. Rappelte sich wieder hoch.

Heute spielt er noch ab und zu, um sich etwas zur Rente hinzuzuverdienen. Körperlich fällt es ihm nicht mehr so leicht. In Braunschweig darf er größtenteils im Rollstuhl sitzen – als alter Professor in dem Zwei-Personen-Stück „Dienstags bei Morrie“ (ab morgen). Ein Mann, sagt Pleva, der seinen jungen Besucher lehre, sich in der Alltagshektik auf seine Menschlichkeit zu besinnen. „Ich bin“, sagt er noch, „mit meinem Leben sehr zufrieden.“

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