Mona Lisa spielt Komödie

Braunschweig  Fernsehansagerin, Kabarettistin, Schauspielerin – Die vielen Gesichter der Sibylle Nicolai – Ein Treffen in Braunschweig

Die Schauspielerin Sibylle Nicolai in Braunschweig.

Foto: Berger

Die Schauspielerin Sibylle Nicolai in Braunschweig. Foto: Berger

„Guten Abend, meine Damen und Herren“ – zehn Jahre lang hat Sibylle Nicolai mit bravem Lächeln und korrekter Kleidung im ZDF so die Fernsehzuschauer begrüßt und ihnen das folgende Abendprogramm erklärt. „Mir war klar, das hört irgendwann auf, wir halten ja nur den Betrieb auf mit unserer Ansagerei“, sagt die 61-Jährige heute.

Bis 1989 war sie noch dabei, doch längst war sie zu ihren Wurzeln als Schauspielerin zurückgekehrt. Ausgerechnet zum frechen Kabarett der Münchner Lach- und Schießgesellschaft schaffte sie 1983 den Absprung. Wie passte politisches Kabarett zur gesinnungsneutralen Fernsehansagerin?

„Ansagerin war wie eine Rolle für mich. Ich habe mir das Damenhafte bei den Kolleginnen abgeguckt“, erzählt Nicolai im Gespräch in Braunschweig. Hier wirkt sie zurzeit in der Komödie am Altstadtmarkt in „Ein schöner Schwede“ mit. Im Internet gibt es noch einen Clip mir ihr als Ansagerin. „Ich komme mir heute jünger vor als damals!“

Entdeckt fürs Kabarett hat sie Jochen Busse, der sie als Schauspielerin kannte. „Er schlug mich Sammy Drexel, dem Kabarett-Macher, vor. ,Die ist doch zu doof’, hat der gesagt. Da habe ich mir gedacht: Dem zeigst du es. Wir haben uns dann immer so freundschaftlich gekabbelt“, berichtet Nicolai.

Als sie beim Kabarett unterschrieb, habe sie vorsorglich beim ZDF gekündigt. „Dann hat Drexel gesagt, wieso, du hättest doch noch Zeit übrig.“ Tatsächlich hat sie dann noch sonntagvormittags Hörfunk moderiert und später auch wieder ZDF: den „Fernsehgarten“ und bis 2000 das Frauen-Magazin „Mona Lisa“.

Mit der Lach- und Schießgesellschaft spielte sie jeweils drei Monate in München, dann ging’s drei Monate auf Tournee. Heute gibt es die nicht mehr. „Die großen Themen wechseln so schnell, da kann man kaum noch lange planen. Wir haben damals ein Jahr lang unser Programm zur Spendenaffäre gespielt, das ginge heute nicht mehr“, sagt sie. Aktualität hätten sie durch ein Spontan-Solo hergestellt, das täglich kurz nach dem Gucken der „Tagesschau“ entstand. „Ansonsten genügten ein paar eingeschobene Bemerkungen, und schon dachten alle, die ganze Nummer sei eben gemacht.“

Nicolai hat im Musical angefangen, „Annie get your gun“, die kesse Bianca in „Kiss me Kate“. Gern würde sie die Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ spielen. Doch als Freischaffende werden ihr klassische Rollen selten angeboten. Im Boulevardtheater legt sie Wert darauf, dass nicht nur auf Pointe gespielt wird, sondern glaubhafte Menschen auf der Bühne stehen.

Und sie schreibt selbst. So hat sie zum 200. Geburtstag der Brüder Grimm ein satirisches Hörspiel herausgebracht, „Die Revolte von Rumpelstilzchen und Co“, in dem sich die Märchenfiguren über ihre Darstellung in Grimms Sammlung beklagen. Die Doppel-CD gibt es zurzeit in der Komödie zu kaufen.

„Ein schöner Schwede“ bis 19. August, Karten: (0531) 121 86 80.

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