König der Rock-Organisten

Braunschweig  Ein Nachruf auf Jon Lord, der mit Deep Purple Popgeschichte schrieb. 1996 spielte er mit der Band in Braunschweig. 2011 wollte er wiederkommen.

Jon Lord 2009 bei einem Konzert mit dem Danubia Symphonic Orchestra in Budapest.

Foto: dpa

Jon Lord 2009 bei einem Konzert mit dem Danubia Symphonic Orchestra in Budapest. Foto: dpa

Ein gutes Jahr vor seinem Tod, im März 2011, wäre Jon Lord beinahe noch einmal in Braunschweig gefeiert worden. Nicht mit den legendären Deep Purple, bei denen er 2002 endgültig ausgestiegen war. Sondern gemeinsam mit dem Orchester der Städtischen Musikschule.

Das hatte Lords selten gespieltes „Concerto for Group and Orchestra“ aus dem Jahr 1969 einstudiert, und Dirigent Knut Hartmann hatte vom Management der britischen Rock-Ikone die Zusage erhalten, dass der Meister persönlich zum Konzert einfliegen werde.

Wegen Terminüberschneidungen sagte der damals 70-Jährige dann kurzfristig doch noch ab. Die beiden Aufführungen des Orchesters und der Musikschulband wurden vom Publikum trotzdem gefeiert. „Auch für die jungen Musiker war es eine tolle Erfahrung“, sagt Hartmann.

Selbst kein Rockmusik-Fan, hält der Musikpädagoge dennoch viel vom Komponisten Lord, der als junger Mann eine klassische Pianisten-Ausbildung erhalten hatte. „Sein Concerto geht weit über eine reine Crossover-Übung hinaus. Es hat eine starke Orchestereinleitung, und insbesondere im zweiten und dritten Satz lässt er die Rockgruppe wie einen klassischen Solisten mit dem Orchester wetteifern.“

Das Concerto entstand ein Jahr, nachdem Lord, Sohn eines Künstler-Ehepaares, mit dem Gitarristen Ritchie Blackmore und Schlagzeuger Ian Paice die psychedelisch angehauchte Bluesrock-Band Deep Purple gegründet hatte. Weltberühmt wurde die Gruppe, als sie Anfang der 70er Jahre mit Sänger Ian Gillan ihren ureigenen Hardrock-Sound entwickelte, brachial und virtuos zugleich. Die Alben „Deep Purple in Rock“ und „Machine Head“ wurden Meilensteine, Songs wie „Child in Time“ und „Smoke on the Water“ unsterblich.

Zur grandiosen Wucht des Bandklangs trug Lords kraftvolles verzerrtes Orgelspiel mit den an klassischen Kadenzen geschulten Solo-Eruptionen entscheidend bei. Die kreative Dauer-Konkurrenz mit Ausnahme-Gitarrist Blackmore war musikalisch fruchtbar, brachte die Band aber auch immer wieder an den Rand der Auflösung. 1976 war es endgültig soweit. Lord und Paice stiegen bei der Hardrockband Whitesnake ein.

1984 vereinten sich Deep Purple aufs Neue, ohne an den ganz großen Erfolg der 70er anknüpfen zu können. Blackmore stieg 1993 wieder aus, Lord blieb bis 2002 dabei. 1996 rockte die Band in Braunschweigs Stadthalle. „Das Konzert war Wochen zuvor ausverkauft“, erinnert sich Veranstalter Hansi Dobratz.

In den 2000er Jahren verfolgte Lord vor allem klassisch inspirierte Solo-Projekte. Er wurde als kollegialer Musikprofi ohne Allüren geschätzt. Im August vor Jahresfrist machte er seine Krebserkrankung bekannt, der er am Montag erlag.

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