Albert Speer, ein Herr in Grau baut sich eine Stadt in China

Wolfsburg  Der Sohn von Hitlers Generalbauinspektor hat in großer Bescheidenheit eine Weltkarriere als Architekt gemacht und litt unter dem väterlichen Namen.

Professor Albert Speer.

Foto: regios24/Anja Weber

Professor Albert Speer. Foto: regios24/Anja Weber

Grau die Haare, grau der Anzug, die Weste auch. Albert Speer ist ein unauffälliger Mann. Soweit es um sein Äußeres, auch sein Auftreten geht. Er besucht Bürgerversammlungen in kleinen Orten ebenso wie hochkarätige Architektentreffen in den Metropolen dieser Welt.

Diesmal ist der 78-Jährige auf Einladung der Helmuth-Schmidt-Universität Hamburg und des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation Wolfsburg ins Alvar-Aalto-Kulturhaus der Volkswagenstadt gekommen.

Um den Eröffnungsvortrag eines Seminars über Autostädte am Beispiel von Anting und Changchun in China, in Rot-China, zu halten. Albert Speer ist ein gefragter Architekt. Er entwickelt den Masterplan für Alexandria in Ägypten, erhielt eine Ehrenprofessur der Technischen Hochschule München. Darauf ist er stolz, denn dort hat er sein Studium begonnen. 1955.

Es war ein schwieriger Weg, den der junge Albert Speer gehen musste: Abbruch der Schule in Heidelberg wegen Stotterns, Schreinerlehre, Abitur am Abendgymnasium, Auslandssemester und Arbeit in ausländischen Architekturbüros, in der Türkei und Schweden. Anonyme Bewerbungen um Architekturpreise – mit Erfolg. Anonym wegen des Namens. Damals war es ein Problem, als Sohn des Generalbauinspektors von Adolf Hitler einen eigenen Weg als Architekt zu gehen. Der Vater gehörte zu den 24 Angeklagten der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse und wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Albert Speer junior hat sich einen Namen erworben. Mit 78 Jahren ist er längst kein „junior“ mehr, sondern der Architekt Albert Speer, der in Kaiserslautern lehrt und sich den Traum erfüllt, „nochmal eine neue Stadt in China zu bauen“. Es sind gleich zwei neue Städte, teils nur Teile einer größeren wie Anting in Shanghai. Aber im europäischen Stil mit chinesischen Anpassungen.

In seinem Vortrag geht Speer insbesondere auf die Besonderheiten der Zusammenarbeit mit den Chinesen ein: „Wir sind nur Berater“. Am Ende verändern sie alles so, wie sie es möchten. „Ohne uns, denn man sagt Ausländern keine Unhöflichkeiten“.

Andere Völker, andere Sitten, andere Einstellungen interessieren ihn. „Deshalb bin ich hinausgegangen in die Welt“, erklärt er. Die Reisen begann er mit einem Motorroller, in den 1950er-Jahren in die Türkei. Albert Speer ist bescheiden geblieben.

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