Junge Choreographen: wenn Tänzer Tänzer tanzen lassen

Braunschweig  Zwei Mitglieder des Tanztheater-Ensembles am Staatstheater probieren sich am Donnersta und Freitag als Spielleiter aus

Tänzer-Choreographen Sebastian Geiger (links) und Robert Bell.

Foto: Berger

Tänzer-Choreographen Sebastian Geiger (links) und Robert Bell. Foto: Berger

Der eine begann mit 4 zu tanzen, der andere mit 20. Tänzerkarrieren können schon sehr verschieden sein. Sebastian Geiger, der Frühberufene, ging den klassischen Weg. Musikalische Früherziehung mit viel Bewegung, dann eine Tanzschule nach der anderen. „Meine Eltern dachten, nach einem Jahr spiele ich auch Fußball wie meine Brüder, doch Irrtum!“

Mit 11 kam er in die Ballettschule, nach dem Realschulabschluss schaffte er es in die Cranko-Schule des Stuttgarter Balletts. Diplom, erste Auftritte auf der Bühne. „Stuttgart ist streng klassisch. Da kriegt man als Anfänger keine Rolle, bevor nicht alle Solisten gefragt wurden.“ Geiger wechselte nach Antwerpen, bekam so Kontakt zu modernen Choreographen wie Forsythe.

„Ich hatte immer schon Lust auf Zeitgenössisches, aber ich konnte es beim Vortanzen schlecht zeigen, weil ich immer als zu klassisch schon in den ersten Runden rausflog“, erinnert sich der 25-Jährige. Jan Pusch, Braunschweigs Tanzdirektor, muss gerade diese klassische Basis in Verbindung mit dem Drang auf Veränderung interessiert haben.

Und Geiger drängte es auch immer schon zum Choreographieren. In der Stuttgarter Schule hatte er das Abschlussstück entworfen, dann Beiträge für die dortige Noverre-Gala. Dabei dürfen sich Tänzer der Compagnie als Choreographen ausprobieren, und genau das wollten auch viele der Braunschweiger Tänzer. „Seit März wurde gedrängelt, zum Saisonende, nachdem alle Premieren raus sind, klappt es nun. Aber die Tänzer müssen sich alles, was sie brauchen, aus dem Fundus suchen, einen Etat gibt es nicht“, sagt Dramaturgin Sigrid Schonlau. Neun Stücke sind entstanden.

Geiger wollte zunächst ein Solo für die Kollegin Bettina Bölkow machen. Dann wurde ein Quartett daraus, das eher einer ästhetischen Idee folgt: „Es geht mir darum, dass wir ein Thema immer nur teilweise erkennen, manches dunkel bleibt, sich aber trotzdem Gefühle und Meinungen einstellen. Darum wird weitgehend im Dunkeln getanzt.“

Robert Bell, vor 30 Jahren geboren in Perth, hat sich ein Duett vorgenommen. „Ich habe die Bewegungen in einen neuen Kontext gestellt und hoffe, dass so Witz und neue Aussage entsteht“, erklärt er. Als Spätberufener kam er erst über Schauspielworkshops und ihr Bewegungstraining auf die Idee, selbst zu tanzen. Mit Bachelor-Abschluss ging er nach New York und London, bevor er sich dem deutschen Tanztheater widmete. Er wird künftig wieder frei arbeiten, denkt auch schon darüber nach, was nach dem Tänzerdasein kommen soll. Vielleicht ein Medizinstudium.

Mit den Kollegen zu choreographieren, findet er spannend: „Sie gehen mit mir viel weiter, schlagen mehr selbst vor als beim Tanzchef, von dem man sich mehr Vorgaben erwartet“, sagt Bell. So war es auch für die Compagnie eine sehr kreative Phase.

Aufführungen am 14. und 15. Juni, 19.30 Uhr,auf der Probebühne im Großen Haus. Karten: (0531) 1 23 45 67.

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