Kinder und Jugendliche aus der DDR

Braunschweig  Heute widmen wir uns der DDR. Sie erinnern sich? Das war dieser kleine Staat zwischen Helmstedt und Polen, der vor gut 20 Jahren verschwand.

Von Kindern und Jugendlichen in der DDR Staat erzählen rückblickend diese drei Bücher.

Von Kindern und Jugendlichen in der DDR Staat erzählen rückblickend diese drei Bücher.

Von Kindern und Jugendlichen in diesem Staat erzählen rückblickend drei Bücher.

Als wir träumten

Das Verschwinden der DDR ist für die jugendlichen Helden von Clemens Meyers Roman aus dem Jahr 2006 der Anbruch der Anarchie. Rausgeflogen aus der spätsozialistischen Erstarrung und der so trügerischen Sinn-Gewissheit eines genormten Lebens, toben sie sich in wüsten Exzessen aus. Es ist sozusagen die proletarische Schattenseite jenes DDR-Bildungsbürgertums, dem Uwe Tellkamp in seinem „Turm“ nachgegangen ist. Eindringlich besingt Meyer in Episoden die Lebenswut und die Verlorenheit seiner Truppe. Das ist oft hart, oft schnoddrig. Aber es hat auch eine knochige Melancholie, die das Sentiment nicht scheut, wenn die Lebenswege wegknicken, wenn der eine gegen die Drogen verliert, der andere als gescheiterter Boxer in die Kriminalität abrutscht.

Clemens Meyer: Als wir träumten, Fischer-Verlag, 19,90 Euro.

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Für seinen Roman wurde Eugen Ruge hoch gelobt, erhielt er 2011 den Deutschen Buchpreis. Es ist eine Familiengeschichte vom urkommunistischen Großvater über den DDR-konformen Historiker-Vater bis zum Sohn, der nach der Wende vor den deutschen Verstrickungen nach Mexiko flieht. Ruge erzählt anschaulich und atmosphärisch, Figuren wie die russische Frau des Vaters, die er von seinem Zwangsaufenthalt im Gulag mitbrachte, sind farbig geschildert. Der Muff der DDR wird greifbar bei den ritualisierten Geburtstagsfeiern des Großvaters.

Doch enttäuscht dieses Buch auch. Gerade in der Gestalt des hochdekorierten Großvaters. Denn diese Figur wird nicht entfaltet. Der Alte sitzt immer nur wie eine Vogelscheuche im Sessel. Wenn jemand mit Blumen kommt, sagt er immer wieder: „Bring das Gemüse auf den Friedhof“. Und auch vom Historiker hätte man gern mehr Historisches erfahren.

Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts, Rowohlt-Verlag, 19,95 Euro.

Das Mädchen

Das neueste Buch über die DDR-Kindheit stammt von der jungen Angelika Klüssendorf. Der Roman schildert ungeschönt, oft drastisch, manchmal an der Ekelgrenze, aber auch anrührend die Geschichte eines kleinen Mädchens, das zur jungen Frau wird. Mutter boshafte Trinkerin und Schlägerin, Vater auch Trinker und Rumtreiber. So erzählt das Buch vor allem eine Geschichte der Verwahrlosung, Herzenskälte und Lieblosigkeit in staatlichen Erziehungs-Institutionen hinter der wohlgeordneten realsozialistischen Fassade.

Angelika Klüssendorf: Das Mädchen, Kiwi-Verlag, 18,99 Euro.

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