Drei Szene-Literaten der Region.

Braunschweig  Hier die Buchtipps von Florian Arnold

"Rumba mit den Rumsäufern", "Völker und Vandalen" und "Keine Zukunft für immer"

"Rumba mit den Rumsäufern", "Völker und Vandalen" und "Keine Zukunft für immer"

Das Buch der kauzigen Dichter

Frank Schäfer ist der dienstälteste Popliterat Braunschweigs. Rockliterat trifft es besser, da der 45-Jährige wenig glamourös auftritt, aber bekennender Metal-Fan ist, nebenbei auch Germanist. Er hat zahlreiche Bücher zur Popkultur herausgegeben. Sein Sammelband „Rumba mit den Rumsäufern“ vereint Interviews mit und Porträts von Schriftstellern. Neben bekannteren Namen wie Wilhelm Genazino tauchen vorwiegend kauzige Szene-Künstler auf, etwa der Hildesheimer Autor und Filmemacher Wenzel Storch. Die so kenntnisreichen wie ausführlichen Fragen und skurril-weitschweifigen Antworten Storchs sind typisch für Schäfers Interview-Stil. Gesprächsprotokoll trifft’s besser.

Geschliffener sind die Mischformen aus Porträt und Gespräch, bei denen Schäfer mit punktgenauen Formulierungen überzeugt, etwa wenn er über Ralf Rothmanns Ruhrpott-Romane urteilt, man spüre in jeder Zeile, „dass sie hart am eigenen Leidensoszillogramm entlanggeschrieben sind“.

Frank Schäfer, „Rumba mit den Rumsäufern“, Oktober-Verlag, 14 Euro.

Der Comedy-Literat

Till Burgwächter ist ebenfalls Braunschweiger und so etwas wie ein literarischer Fastfood-Comedian. Unter dem Titel „Väter, Völker und Vandalen“ hat der Mittdreißiger eine Glossensammlung im Lexikon-Stil über Volksstämme und Ethnien verfasst. Schon auf dem Einband bekennt Burgwächter, dass er sein Wissen zusammengegoogelt hat. Es geht nicht um Aufklärung, sondern um Unterhaltung. Witzipedia sozusagen.

Wer Spaß an flüssig formuliertem, politisch unkorrektem Humor hat, kommt auf seine Kosten. Beispiel – die Massai: „Dieses Volk wird von vielen Europäern für eines der größten in ganz Afrika gehalten. Warum? Weil man den Namen schon mal irgendwo gehört hat.“ Warum Burgwächter an sein Stämme-Glossar noch ein ebenso schnoddriges Lexikon menschlicher Errungenschaften anklebt, erschließt sich nicht. Wohl um auf mehr als 60 kleinformatige Seiten zu kommen.

Till Burgwächter, „Väter, Völker und Vandalen“, Verlag Andreas Reiffer, 7,95 Euro.

Schnell mal ein Punk-Lexikon

Axel Klingenberg, der dritte Braunschweiger Publizist dieser Kolumne, ist ein Szene-Literat, Lesebühnen-Organisator – und sehr produktiver Schreiber. Diesmal hat er auf die Schnelle ein Punk-Lexikon rausgehauen. Punky auch formal: Das Glossar unterschlägt den Buchstaben A, obwohl sich Anarchie geradezu aufdrängt, und endet auch schon bei T wie Ton, Steine, Scherben. Sei halt alles ganz subjektiv ausgewählt, schreibt Klingenberg im Vorwort. Aber wenn sein persönlicher Blick auf den Punk selbst wichtige Braunschweiger Bands unterschlägt, fragt es sich doch objektiv, ob das Lesen diesmal wirklich lohnt.

Axel Klingenberg, „Keine Zukunft für immer“, Verlag Andreas Reiffer, 7,95 Euro.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
Leserkommentare (1)
    Weitere Artikel aus diesem Ressort