Pop meets Classic - Starke Show mit Absackern

Braunschweig  Zum sechsten Mal trafen sich Klassik und Pop am Samstagabend in der ausverkauften Braunschweiger Volkswagen-Halle. Erneut eine starke Show mit ein paar Absackern, als Überraschungsgast war das Eintracht-Team da.

Der Höhepunkt von Pop meets Classic Nummer sechs kulminierte am Samstagabend schon vor der Pause. Eingeleitet von der originellsten Gruppe des Abends, The Royal Squeeze Box, der königlichen Quetschkommode.

Zwei Straßenmusiker aus Dortmund spielen knifflige Queen-Songs kongenial nach, mit zwei Stimmen und einem Akkordeon. Sie bringen „Bohemian Rhapsody“ und „We are the Champions“. Dazu marschiert nicht die Borussia auf die stets randvolle Bühne, sondern das Eintracht-Team. Blau-gelbe Konfetti und Riesenballons schweben auf die 6000 Zuschauer nieder. Die Halle steht.

Das war schwer zu toppen. Dieses prickelnde Zusammentreffen von großer Show und kleiner Überraschung, von authentischen Originalen und bombastischer Inszenierung macht die schönen Momente von Pop meets Classic aus. Es gab wieder einige davon. Vor allem die Auftritte von Charismatikern.

Pat Appleton etwa. Kreuzbergs Tina Turner, im engen Goldkleid, mit einer würzigen Soulstimme, intensiv und ein wenig dreckig. Bei den beiden Nummern, die sie mit der Braunschweiger Formation Bahama Soul Club sang, ließ auch das Staatsorchester mit interessanten Arrangements aufhorchen, mit rasanten Halbton-Läufen und gepfefferten Akzenten.

Musikalisch reizvoll auch der Auftritt von Jazz-Posaunen-As Nils Wogram. Mit prachtvollem Klang schickte er faszinierend irrlichternde Tonkaskaden in die Halle, zu einem brodelnden Band-Orchester-Gemisch, gesteuert von Dirigent Gerd Schaller und Bandleader Christian Eitner. Poppiger und schlichter, aber mit unwiderstehlich tapsigem Charme trumpfte Indierocker Axel Bosse auf.

Etwas pomadig geriet dagegen der Auftritt von Heinz Rudolf Kunze mit der Ballade „Ich habs versucht“. Er am Piano, mit eingängiger Melancholie, die Streicher darüber hinwegsäuselnd – Pop eats Classic. Netter Kunzes Hit „Finden Sie Mabel“ als Duett mit Prinzen-Sänger Tobias Künzel.

Eine B-Seite war die Vivaldi-Vier-Jahreszeiten-Nummer mit Orchester und Band, trotz des wunderbaren Solo-Violinisten Josef Ziga: Rondò Veniziano auf Amphetamin. Überhaupt das Orchester: diesmal zwar mit großem Chor, aber zu wenig klassischen Glanznummern und dafür manch uninspiriertem Pop-Arrangement. Auch klangtechnisch war es der Schwachpunkt in einer Show, die sonst wieder auf hohem Niveau inszeniert war. Dazu trug auch Markus Schultze als charmanter, lockerer und doch zielstrebiger Moderator sein Scherflein bei.

Das Finale versammelte noch einmal alle zu Kurzauftritten, auch die Newcomer-Band Glare mit gefälligem Brit Pop, bevor abschließend alltogether geschmettert wurde: „All you need is love“.

Und Klassik und Pop.

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