Der syrische Autor Rafik Shami bangt um seine Freunde

Braunschweig  Der Exil-Schriftsteller hat in Braunschweig ein neues Kinderbuch vorgestellt und Auskunft über die Lage in seiner umkämpften Heimat gegeben

Rafik Shami (65).

Foto: Jasper

Rafik Shami (65). Foto: Jasper

Er hat ein Kinderbuch geschrieben, es handelt von der Freundschaft zwischen einem einsamen Mädchen und einer Puppe vom Flohmarkt, die sich von den Ängsten der Menschen ernährt. Aus „Das Herz der Puppe“ las der syrische Exil-Autor Rafik Shami auf Einladung der Buchhandlung Bücherwurm in Braunschweig.

In Schamis Heimat hätte die Puppe Widu im Übermaß zu essen. Mit großem Kummer blickt auch der Autor in das vom Bürgerkrieg zerfetzte Land. Zur Zeit sei kein Gedanke an ein neues Buch, sagte er uns am Rande der Lesung. „In einem Jahr habe ich 96 Interviews gegeben. Das führt dich ganz weit weg von der Fantasie, die man zum Erfinden von Geschichten braucht.“

Für Shami hat Diktator Assad die Grenze überschritten, die ihm ein Bleiben ermöglichte. „Es gibt 10 000 Tote und 50 000 Verschwundene, über die man sich jeden Tag mehr Sorgen machen muss. 80 Prozent der Einwohner von Homs haben kein Dach mehr über dem Kopf! Wer auch immer den Krieg gewinnt, er wird nichts als einen Trümmerhaufen vorfinden!“

Shami ist gegen Rache. „Assad soll nur weg, ins Exil. Ich sage meinen Freunden: Reicht ihm die Hand und sagt: Geh! Weil es all die Toten erspart, die noch kommen.“ Shami plädiert dafür, dass die Oppositionellen mit Politikern aus der zweiten oder dritten Reihe des Regimes die noch nicht so verstrickt sind in die Brutalität, eine Übergangsregierung bilden, um das Land zu befrieden.

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