Wahnsinn, diese Amazone!

Braunschweig  Am Donnerstag erlebt Zdenek Fibichs Oper „Sárka“ ihre deutsche Erstaufführung am Staatstheater Braunschweig. In der Titelrolle debütiert Rena Harms.

Rena Harms ist neu im Ensemble des Staatstheaters.

Foto: Berger

Rena Harms ist neu im Ensemble des Staatstheaters. Foto: Berger

Mit vier Jahren stand Rena Harms schon auf der Bühne. Prompt wollte sie Schauspielerin werden. Doch dann nahm sie der Großvater mit in eine Freiluft-Aufführung von Mozarts „Idomeneo“, und so entschied sie sich für die Oper. Das war in Santa Fe in New Mexico. Die Mutter, eine Pianistin, gab ihr ersten Gesangsunterricht, studiert hat sie in New York. Über Stationen in Basel und London kam sie nun ins Braunschweiger Opernensemble und singt zuerst die Titelrolle in Zdenek Fibichs „Sárka“.

„Es sind drei Rollen in einer“, beschreibt Harms ihre Partie einer Königin böhmischer Amazonen, die sich mit den Männern blutige Gefechte liefern. „Der erste Akt spielt im Krieg, das ist alles sehr laut und hart, ich komme mir vor wie eine Walküre, auch stimmlich ist das hochdramatisch. Im zweiten Akt verliebe ich mich in meinen Gegenspieler. Das ergibt ein sehr schön lyrisches Duett mit dem Tenor, die Musik wird auch insgesamt weicher. Aber ein Happyend ist nicht möglich. Heimgesucht von den Geistern der Opfer, nimmt sie sich das Leben. Da muss ich noch eine Wahnsinns-Arie stemmen“, erzählt Harms.

Wie steht man das durch? „Mit guter Technik. Weil es die deutsche Erstaufführung des Stücks ist, kann mir auch kein Lehrer Tipps geben wie zu ,La Traviata’. Keiner kennt die Partie, ich muss auf meinen Körper hören“, sagt die 27-Jährige. Gesungen wird auf Deutsch, nicht in Originalsprache. Und die Inszenierung von Konstanze Lauterbach sei sehr körperbetont, verrät Harms. Ein paar blaue Flecken hat sie schon davongetragen.

Ihr ist das gerade recht, denn sie hat immer noch große Freude am Schauspielen. „Es ist nicht leicht, eine Frau wie Sárka zu lieben. Aber ich will Liebe zu ihr erwecken, so dass das Publikum trotz allem nachher traurig ist, wenn sie stirbt.“

Rena Harms startete ihre Karriere übrigens als Mezzosopran. Doch in Meisterkursen bei Marilyn Horne wurde entdeckt, dass sie Sopran ist. „Die Stimme ist, was du bist. Wenn dir plötzlich einer sagt, du bist jemand ganz anderes, das wird eine richtige Lebenskrise“, erinnert sich die Sängerin. Trotz guter Tiefe kamen plötzlich neue Freiheiten in der Höhe zum Tragen. „Aber als Sopran muss man sich auch anders geben, mehr auf Primadonna machen, damit man dem Rollentyp entspricht.“

In Braunschweig hat Harms nun zum ersten Mal seit sieben Jahren eine eigene Wohnung, seit dem College war sie immer nur auf Tournee. „Aber mein Hund Piet hat mir überall das Gefühl gegeben, zu Hause zu sein“, erzählt die Sängerin. Mit Sport, E-Books und amerikanischem Trash-TV lenkt sie sich in der Freizeit ab. Wenn das die deutschen Vorfahren, ehrbare Mennonitenprediger, wüssten!

Premiere von „Sárka“ ist am Donnerstag, 22. März, im Großen Haus. Karten: (0531) 1 23 45 67.

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