Im nächsten Jahr kommt wieder Gardiner

Braunschweig  Wie geht’s weiter nach Lang Lang und Händel-Zyklus? Der künstlerische Direktor des Soli-Deo-Gloria-Festivals Günther von der Schulenburg im Interview.

Günther Graf von der Schulenburg.

Foto: Hartmut Beyer

Günther Graf von der Schulenburg. Foto: Hartmut Beyer

Am Sonntag, 18 Uhr, erklingt mit „Ariodante“ die letzte Oper des dreiteiligen konzertanten Händel-Zyklus, den das Festival „Soli Deo Gloria“ im Staatstheater Braunschweig veranstaltet hat. Mit dem Complesso Barocco unter Alan Curtis singen internationale Solisten, die Einführung gibt Krimi-Autorin Donna Leon. Andreas Berger sprach mit dem künstlerischen Direktor des Festivals, Günther Graf von der Schulenburg.

Händel-Opern konzertant sind ein Wagnis. Was haben Sie erreicht?

Natürlich sind Opern für die szenische Aufführung gemacht, deshalb hatte auch ich meine Bedenken, ob wir das Publikum dafür begeistern können. Aber wir hatten diese herausragenden Sänger, das wunderbare Spezial-Ensemble von Curtis, darum wollte ich es gern probieren. Der Anfang mit Lemieux und Gauvin in „Giulio Cesare“ hat auch Skeptiker überzeugt, einfach weil diese Sängerinnen ihre Partien auch so mitreißend gestalteten. Ich habe festgestellt: Die Zuschauer, die da waren, waren begeistert, sind dann auch wiedergekommen und haben noch andere mitgebracht. Das ist doch sehr schön.

War es auch finanziell ein Erfolg?

Ohne Sponsoren und ohne die besondere Unterstützung der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz wäre das nicht zu realisieren gewesen. Aber so waren wir Veranstaltungsort eines Zyklus, der auch in Amsterdam, Wien und Paris lief. Und wir haben wie sonst nur Wien auch alle drei Opern genommen, obwohl die späte „Deidamia“ sicher zu Recht nicht so oft gespielt wird. Wir wollten nicht bloß die Blockbuster, sondern auch Gelegenheit zum Vergleich bieten. Mit „Ariodante“ gibt es aber zum Abschluss noch eine von Händels populärsten Opern.

Konzertante Aufführungen zwingen Händels Musik eine Konzentration auf, die ihr vielleicht nicht immer guttut. Ton für Ton wurde sie früher nicht angehört.

Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und wieder Essen und Trinken während der Vorstellungen zulassen. Und Inszenierungen sind einfach nicht bezahlbar, wenn Sie so tolle internationale Sänger holen, die dann nicht nur einen Abend singen, sondern ein paar Wochen Proben mitmachen müssten.

Wird es also eine Fortsetzung geben?

Man muss das nicht sofort wiederholen, aber wir haben den Zyklus mit Konsequenz durchgeführt, das war ein künstlerischer Höhepunkt für die Region. Vielleicht kann es 2015 dann noch eine „Alcina“ geben, die gehört sicher zu Händels besten Opern.

Wie hat sich die Absage von Joyce DiDonato ausgewirkt, die Star-Gast in „Ariodante“ hätte sein sollen. Es besteht ja kein Anspruch, seine Karten umtauschen zu können. Gab es da Ärger?

Die Absage ist eine Enttäuschung, aber sie betrifft alle Aufführungsorte, und natürlich liegt ein Attest vor. Von Zuschauern haben wir gar keine Beschwerden deswegen. Das zeigt mir, dass sie offenbar nicht nur wegen eines großen Namens, sondern wirklich aus Begeisterung für die Musik kommen.

Mit Lang Lang hatten sie ja gerade einen Star zu Gast, allerdings etwas außerhalb des am 4. Mai startenden Kernfestivals „Soli Deo Gloria“. Verwischt das nicht den Festivalgedanken?

Lang Lang war eine große Show. Und wir hoffen mit diesem Zugpferd nun auch für das Kernfestival weitere Zuschauer gewonnen zu haben. Aber so einen Star bekommen Sie nur zu Terminen, die er vorschlägt, da muss man dann zugreifen. Das ist übrigens auch bei John Eliot Gardiner so, der uns ja ständig verbunden ist. Im Juni 2013 wird er wieder bei uns dirigieren, natürlich Bach: Os ter oratorium und Pfingstkantaten.

Diesmal wird neben Bach auch Mozart Schwerpunkt sein. Auch den Händel-Zyklus ließen Sie unter Bachs Motto „Soli Deo Gloria“ – Gott allein die Ehre – laufen. Sollte man das Motto nicht lieber schonen und sich einen neuen Namen geben?

Ich bin in meinem Heimatort auch Kirchenvorstand und werde nicht irgendwas unter diesem Motto veranstalten. Es ist zu einer Marke geworden für authentische Musik an historischen Orten. Dabei spielen wir nach wie vor viel in Kirchen. Das Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki kommt am 15. Mai in den Kaiserdom Königslutter. Ein anderer Exponent der historischen Aufführungspraxis, Marc Minkowski und die Musiciens du Louvre, kommen aber ins Theater Wolfsburg. Wir werden 2013 erstmals auf einem Rittergut in Altenrode und wieder im Lessingtheater Wolfenbüttel spielen. 2014 soll Beethoven gewidmet sein. So wollen wir ein breiteres Publikum erschließen, aber unserer Qualität und historisch authentischen Herangehensweise an die Musik verbunden bleiben.

Programminfos und Karten unter (0180) 55 44 888.

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