Buchtipps aus der Politikredaktion

Braunschweig  Können Demokratien in Zeiten der Globalisierung politisch überleben? Vier Optimisten beziehen Stellung:

Neoliberaler Deckmantel

Hinter den wohltönenden Formeln von den Segnungen und Kräften freier Märkte steckt oft reine Lobbyarbeit für eigene Interessen - das betrifft nicht nur international agierende Konzerne, sondern auch den Staat. Der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch hat nach seinem Klassiker "Postdemokratie" rasch nachgelegt. Seine These über den neoliberalen Ungeist aus der ideologischen Flasche: Großkonzerne und der Staat, der immer wieder, wie in der Finanzkrise, helfend einspringt, bedrohen die Freiheit der Märkte, zu der sich alle scheinheilig bekennen. Crouch diagnostiziert - und darin liegen bereits Lösungen zur Stärkung der Zivilgesellschaft, derer es dringend bedarf.

Colin Crouch: Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus, Suhrkamp, 19,90 Euro.

Mut zur Kooperation

Wie lassen sich Konflikte wie zum Beispiel der vielbeschworene "Kampf der Kulturen" entschärfen? Auf keinen Fall mit aggressiver politischer Rhetorik oder gar militärischen Mitteln. Die großen Fragen sind nur gemeinsam, in einer Art Weltregierung zu beantworten, weil keine Nation in der Lage ist, globale Probleme allein zu lösen. Der in den USA lehrende Politologe Amitai Etzioni schlägt in seinem Buch einen dritten Weg zwischen einer Weltautorität und den partikularen Interessen unterschiedlichster Kulturen und Werte vor. Der Zustand der Welt erlaubt es nicht, Etzionis Gedanken als Vision abzutun.

Amitai Etzioni: Vom Empire zur Gemeinschaft, S.Fischer, 22,95 Euro.

Die Chance der Städte

Die Welt rückt zusammen - und es wird eng. Ein Drittel der Weltbevölkerung zieht, global betrachtet, vom Land in die Städte. Der kanadische Publizist Doug Saunders vertritt die These, dass diese Entwicklung unumkehrbar und zugleich eine riesige Chance des Zusammenlebens der Menschen ist - wie etwa in Berlin oder London. Wenn es gelingt, Neuankömmlinge in den "Arrival Citys" zu integrieren, wird eine Gesellschaft politisch, wirtschaftlich und kulturell profitieren. Würde das Modell "Arrival City" scheitern, entstünden Brutstätten der Gewalt.

Doug Saunders: Arrival City, Karl Blessing Verlag, 22,95 Euro.

Gewalt ist kein Naturgesetz

Ist die Geschichte der Menschheit eine ewige Abfolge von Krieg, Mord, Folter? Nein, sagt Steven Pinker, US-Professor für Evolutionspsychologie. Trotz Dutzender neuer Kriege nach den beiden großen Weltbränden ist Pinker davon überzeugt und liefert Material dafür, dass die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte dazugelernt hat und Gewalt immer weniger als Option wahrgenommen wird. Ein Plädoyer für Zuversicht.

Steven Pinker: Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit, S. Fischer, 26 Euro.

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