Der Umgang miteinander in der Familie und der Gesellschaft

Braunschweig  Wie gehen wir miteinander um? Wie sind wir aufeinander angewiesen?

Schweiggen ohne Gold

Tel Aviv in den 1950er und 1960er Jahren: Kinder der zweiten Generation werden groß im Schatten der Shoah und mit dem Wissen, dass in ihrem Viertel der Tod nicht das Schlimmste ist. Nur wenige Kinder haben mehr Verwandte als ihre Eltern. Alisa hat sogar nur ihre Mutter und ist auf der Suche nach ihrem Vater. Ihre Mutter schweigt dazu. Alle anderen um sie herum schweigen auch. Wo ist mein Vater? Er ist weit weg – in Amerika oder tot? Am Ende wird Alisa ihre Mutter verstehen. Aber es ist ein schmerzlicher Weg, den Lizzie Doron mit leisem Humor beschreibt.

Lizzie Doron: Das Schweigen meiner Mutter, dtv premium, 14,90 Euro.

Vom Einfluss der Großmütter

Welche Rolle spielen Großmütter im Leben? Mit dieser Frage beschäftigt sich Isamay in ihrer Masterarbeit. Ihre eigenen, so grundverschiedenen Großmütter sind der Anlass. Oder versucht Isamay ihren Großmüttern auf die Schliche zu kommen, indem sie sich mit der Beziehung von Queen Victoria oder George Sand zu ihren Enkeln auseinandersetzt? Isamays Neugier wirft sie immer wieder zurück auf ihre eigene Familie, in der sie auf einige wohlgehütete Geheimnisse stößt. Als sie dann noch schwanger wird, gewinnt die Frage von Zukunft und Vergangenheit für sie eine Bedeutung.

Margaret Forster: Isa & May, Arche-Verlag, 22,90 Euro.

Endzeitdrama mit Hoffnung

Eine Oberschicht tut alles, was wissenschaftlich möglich ist – ohne ethische und moralische Bedenken: Schweine mit menschlichem Hirn, Hunde ohne Beißhemmung, Mo’Hair-Schafe, Löwämmer, Menschen mit ewiger Jugend. Die Sekte die Gärtner Gottes versucht dagegen, mit der Natur im Einklang zu leben. Dazwischen vegetieren und agieren die Plebs. Die Sonne brennt, die Menschen brauchen UV-Mäntel, um sich zu schützen. Bioterroristen sind unterwegs und ein Virus, die wasserlose Flut, vernichtet die meisten Menschen. Ein Endzeitdrama, das von der Wirklichkeit nicht sehr weit entfernt scheint. Am Ende steht ein Neuanfang.

Margaret Atwood: Das Jahr der Flut, Berliner Taschenbuch-Verlag, 10,95 Euro.

Mutter Gnadenlos

Wieder eine Familiengeschichte von Julia Franck, wieder eine mit autobiografischen Bezügen. Erschütternd: Die Geschwister Ella und Thomas wachsen bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf, die anerkannte Bildhauerin in der DDR ist. Beruf und vor allem gesellschaftliche Anerkennung gehen ihr über alles, die Kinder sind meist auf sich allein gestellt. Thomas entwickelt sich zu einem hochsensiblen Menschen, Ella – mehrfach sexuell missbraucht – zu einem ähnlich seelisch verkrüppelten Wesen wie ihre Mutter.

Julia Franck: Rücken an Rücken, Fischer-Verlag, 19,95 Euro.

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