Ein Schauspieler, der Schule macht

Klaus Lembke spielt seit 15 Jahren am Braunschweiger Staatstheater. 125 Mal war er allein Lehrer Klamm. Heute Abend hat er mit „Abgesoffen“ Premiere

Der Staatstheater-Schauspieler Klaus Lembke.

Foto: Berger

Der Staatstheater-Schauspieler Klaus Lembke. Foto: Berger

125 Mal hat Klaus Lembke den Lehrer Klamm in „Klamms Krieg“ schon gespielt, ein Solo für einen Schauspieler mit authentischer Schulklasse. „In einigen Schulen stehe ich inzwischen schon auf dem Stundenplan: Sechste Stunde Klamm“, erzählt der 64-Jährige. Schüler grüßen ihn auf dem Schulhof als Lehrer, „da muss ich gar nichts spielen, und die Lehrer halten mich wahrscheinlich für den Schulrat“.

125 Mal, aber kein bisschen Routine. „Ich sitze den Schülern ja genauso hautnah gegenüber wie ihr Lehrer, da kann man nichts verstecken, da würde jede Schwäche sofort erkannt“, sagt Lembke.

Zu seinen Lieblingsrollen gehört auch die Erna in Werner Schwabs „Präsidentinnen“. Da lobt er besonders den jungen Regisseur Simon Schneider, mit dem er zurzeit auch das neue Stück „Abgesoffen“ einstudiert. Premiere ist heute, 20 Uhr, im U 22, sein Partner der junge Schauspieler Philipp Grimm. „Ich spiele unheimlich gern mit jungen Kollegen. Es ist ansteckend, ihren frischen Umgang mit der Kunst zu erleben. Und man lernt immer was dazu. Ich mag nicht der alte Schauspieler-Patriarch sein, und ich glaube, das hält mich jung.“

Lembke startet in seine 15. Spielzeit in Braunschweig, war vorher in Würzburg, Karlsruhe und Krefeld engagiert. Was hat sich verändert in der Schauspielkunst? „Auf der Bühne wird ein privater Ton verlangt, die Szene soll nicht gespielt wirken“, resümiert er. Ein Grund für die oft schlechtere Textverständlichkeit? „Das ist ein Missverständnis vielleicht auch mancher Kollegen. Die Übertragung ins Publikum muss ja gewährleistet sein. Gerade das Nicht-Gespielte braucht umso mehr Handwerk.“

Natürlicher Sprechton, konkrete Situationen seien schon bei Ex-Intendant Wolfgang Gropper Ziel gewesen. Mit ihm kam Lembke 1997 aus Krefeld hierher. Die Ästhetik der jungen Regisseure heute lebe von starken Bildern. „Man wird ja in allen Medien so zugemüllt mit Bildern, dass es gar nicht so leicht ist, dem noch etwas Schlagkräftiges entgegenzusetzen“, erklärt Lembke. Auch das Publikum werte dann oft selektiv. „Dann wird immer nur über die Sex-Szene gesprochen, aber es ging doch um viel mehr. Ich musste nur einmal ganz nackt auftreten, als Herzog Orsino mit Diamanten im Schamhaar. Aber da stieg ich aus der Badewanne, das fand ich logisch.“

Lembke würde auch gern mit 65 weitermachen. „Schauspieler ist nicht nur ein Beruf, sondern eine Existenzform.“ Er möchte gern in Braunschweig wohnen bleiben. „Früher wollte man immer wechseln, das hat sich verändert. Für meinen Sohn war das gut. So konnte er hier die Schule durchziehen.“ Inzwischen studiert Julian Lembke Komposition in Paris. Die Uraufführung der ersten eigenen Oper war jüngst in Halberstadt.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort