Es haut nicht hin mit der Menschheit

"Her den Ring": Der Braunschweiger Uwe Hoppe zeigt in Bayreuth Wagner kompakt

Arkadij Dell als Siegfried (Mitte), bedrängt von Intriganten.   

Foto: Studiobühne

Arkadij Dell als Siegfried (Mitte), bedrängt von Intriganten.    Foto: Studiobühne

Mag Frau Rowling mit ihrem kleinen Zauberer heute Milliarden verdienen und jeder 68er noch von Tolkiens "Herrn der Ringe" schwärmen – bei Richard Wagner gab’s das alles schon. Riesen, Zwerge, Drachen, Götter – im "Ring des Nibelungen" spielen sie von der Schöpfung bis zum Weltuntergang alle Varianten des großen Macht- und Liebesspiels durch, das man Leben nennt.

Unter dem Titel "Her den Ring" und mit Plakaten ähnlich denen zum Tolkien-Film, hat der aus Braunschweig stammende Theatermacher Uwe Hoppe seine dritte eigene "Ring"-Fassung geschaffen, ziemlich dicht an Richard Wagner, aber auch mit Verweisen auf die anderen Fantasy-Stoffe.

In der Studiobühne Bayreuth wirbelt er in gut zwei Stunden das sonst 16-stündige Werk durch. Ohne die Musik, klar, aber auch ohne auf eine der zahlreichen Bühnenfiguren Wagners und ihre Intrigen zu verzichten.

Hoppe sieht Werden und Vergehen als Endlosschleife. Die Menschen lernen nichts dazu. Neutral weiß gekleidet, taumeln die Darsteller gleich eingangs auf den Trümmern des Weltuntergangs herum. Wie in einer Versuchsanordnung beginnen sie neu, aber Wotans Umweltsünde, als er den Speer aus der Weltesche bricht, und sein Verrat an der Liebe führen wiederum zum Untergang. Da mag die geschundene Erde, Wagners Bühnenfigur Erda, noch so sehr klagen und mahnen. So beginnen die Schauspieler das Stück nochmal vorn vorn, gerafft auf wenige Sentenzen, und dann nochmal...

Hoppe kennzeichnet den Ring klar als Symbol menschenverachtender Machtentfaltung. "Meine Gedanken sind schon in dir", triumphiert Alberich, als ihm Wotan (Dominik Kern) den Ring gewaltsam entreißt. Nur Arkadij Dell gibt als Siegmund intuitiv der Liebe eine Chance. Und rennt als akrobatischer Siegfried die Wände hoch, wenn er den bärmelnden "Hobbit" Mime (Hartmut Thurner) jagt. Grandios.

Die zwölf Schauspieler spielen mit rasantem Tempo, mitreißendem Körpereinsatz und manch ironischem Seitenhieb. Etwas zu wortreich ist die Sache aber doch. Erst Johanna Rönschs beherrschte Brünnhilde bringt Ruhe zum Nachdenken ins Spiel. Da kann Hoppe wie in der Werkstatt Bayreuth ja noch nachbessern.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
    Weitere Artikel aus diesem Ressort