Und plötzlich hast du ein Alien am Bein

Das heisere Tuten eines Horns bedeutet, dass sie da sind. Es klingt wie in einem Science-Fiction-Film, wenn die Außerirdischen landen.

Die Wesen, die in Braunschweig gelandet sind, wirken friedlich. In bunten Overalls hängen sie plötzlich in Bäumen am Straßenrand oder lehnen kopfüber an Häuserfassaden: Als ein Element der Veranstaltungsreihe Experiment: Stadtraum präsentierte die Gruppe Da Motus aus der Schweiz ihr Tanztheaterstück con tatto in der Innenstadt.

Diese Ankömmlinge sind friedlich, übernehmen aber wie ihre grünen Verwandten aus den Filmen das Kommando. Aus ihren Augen kommen aber keine Laserstrahlen sondern freundliche Blicke. Sanfte Hände schieben sanft die staunenden Passanten zur Seite.

Ältere Produktionen der Gruppe wirkten oft düsterer und bedrohlicher. Doch auch sie spielen mit dem Gegensatz von harten, anorganischen, urbanen Strukturen und weicher, menschlicher Bewegung. In den Straßeninszenierungen landen Außerirdische oder zwergenhafte Figuren, die aus einer Fabelwelt zu stammen scheinen.

Beim aktuellen Stück wickeln sich plötzlich Tänzer für einige Sekunden um die Beine der Zuschauer. Der erste Impuls des Stadtmenschen, der bei plötzlicher Nähe fremder Menschen an Taschendiebstahl denkt ist Flucht. Doch Widerstand ist zwecklos. Die freundlichen Wesen übertreten eine unsichtbare Grenze der Passanten, die nach und nach stärker eingebunden werden.

Und die so Überfallenen? Sind erst verwirrt, lächeln hilflos. Je länger die Wesen ihr Spiel treiben, desto breiter wird das Lächeln. Das akrobatische Zwischenspiel in der Innenstadt macht Spaß. Und sonst? Con tatto heißt im Takt. Den geben für eine knappe Stunde die Tänzer an. Der eingeübte Takt, oder Trott der Passanten wird unterbrochen.

Lange hält der Zauber nicht an. Er zerschellt bald an den harten Betonkanten einer modernen Stadt.Keine Spitzmarke-

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