"Zusätzliches Modell für Wolfsburg"
Betriebsratschef Osterloh fordert auf Betriebsversammlung von Volkswagen vertragliche Zusagen ein
VW-Markenchef Wolfgang Bernhard und Betriebsratschef Bernd Osterloh nutzten gestern die Betriebsversammlung im Volkswagen-Stammwerk Wolfsburg als Forum im Ringen um den besten Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Bernhard warb vor fast 20 000 Beschäftigten um die Mithilfe der Belegschaft. Osterloh signalisierte die Bereitschaft – sofern sie nicht einseitig Managementfehler ausbaden müsse.
Die Stimmung in Halle 11 während der etwa zweieinhalbstündigen Versammlung beschrieben Teilnehmer als lautstark kritisch, aber interessiert. Die Leute wollten Bernhards im Handelsblatt vorgetragene Thesen von ihm selbst hören.
Bernhards Diagnose: "Wir bauen tolle Autos. Bei den Kosten sind wir aber noch weit von unseren Zielen entfernt." Wolfsburgs Arbeitskosten lägen mehr als ein Drittel über denen anderer deutscher Autowerke.
VW habe Einsparungen bei Material, Produktion und Grundkosten erzielt. "Jetzt müssen wir auch die Arbeitskosten wettbewerbsfähig machen." VW lege bei jedem Auto drauf, weil die Belegschaft hier für 28,8 Stunden das gleiche Geld bekomme wie andere für 35 Stunden.
Sein Ansatz, damit der Golf in Wolfsburg bleibt: Das Jahreseinkommen bleibt unberührt, die 35-Stunden-Woche kommt schrittweise, wenn genug Kundenaufträge vorliegen. Und: Ziel sei ein einheitlicher Haustarifvertrag für VW, Auto 5000, Autovision und andere Tochterunternehmen.
Bernd Osterloh verlangte im Gegenzug, dass Einsparungen in Wolfsburg auch dem Stammwerk zugerechnet würden und nicht "anderswo verschwinden". Außerdem klagte er "ein neues zusätzliches Volumenmodell für Wolfsburg" ein, das Beschäftigung binde und Kapazitäten auslaste. Wachstumschancen im Komponentenbereich sollen ferner einen Beitrag zur Wertschöpfung von VW leisten, auch für Drittabnehmer.
Wolfsburgs IG-Metall-Vize Frank Patta bekräftigte, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsplatzsicherheit als gleichwertige Unternehmensziele zu akzeptieren. Patta griff VW-Produktionsvorstand Reinhard Jung an, der im Zusammenhang mit Arbeitsplätzen davon gesprochen habe, "20 000 hängen dem Unternehmen wie ein Klotz am Bein". "Das sei respektlos, unverschämt und eine bodenlose Entgleisung. Die betroffenen Menschen hätten jahrzehntelang ihre Knochen für VW hingehalten."



