Schwere Beine an der Werkbank
Braunschweig Der Alltag von Azubis Jolina Gottke und Daniel Schniete wollen Zerspanungsmechaniker werden. An den Maschinen fühlen sich die Azubis wohl.
Es ist vormittags, 9 Uhr. In der großen Werkhalle von Sindermann Präzision wird gefräst, gedreht, gebohrt, gesägt. Für Jolina Gottke und Daniel Schniete hat der Arbeitstag längst begonnen. Die beiden Azubis tragen Schutzbrillen, stehen an Maschinen und bearbeiten Metallkörper.
Immerhin sieben Auszubildende gehören zu den insgesamt 50 Mitarbeitern des Unternehmens. In dem Betriebsgebäude im Braunschweiger Industriegebiet an der Hansestraße werden unter anderem Wellengelenke und Gelenkwellen, Bronze-, Gleit- und Wälzlager, Keilnaben sowie Faltenbälge gefertigt.
Jolina Gottke kennt noch nicht alle Abteilungen des Betriebs. Seit dem 1. August arbeitet sie hier. Jeden Morgen muss sie um 5 Uhr aus dem Bett. „Das ist kein Problem“, sagt sie. Als Schülerin habe sie nur eine halbe Stunde länger schlafen können. Aber Schule? Das war etwas ganz anderes.
„Der erste Tag war extrem anstrengend“, erinnert sich die 16-Jährige. In der Schule habe man immer nur auf dem Stuhl gesessen. Hier sei sie den ganzen Tag auf den Beinen. Wo sie früher in Pausen mit gleichaltrigen Klassenkameradinnen klönte, da tauscht sie sich jetzt mit Arbeitskollegen in Latzhose und mit schütterem Haar aus.
Aber die Arbeit ist genau das, was sie wollte. Der kaufmännische Bereich kam für Jolina Gottke nie infrage. „Im Büro sitzen und telefonieren – das ist nicht mein Ding“, sagt die junge Frau, die in ihrer Freizeit gerne fotografiert und Fußball spielt. Also entschloss sie sich für den Schritt in eine Branche, die von Männern dominiert wird. Zwölf Bewerbungen waren dazu nötig. Von manchen Betrieben erhielt sie Absagen, manche reagierten gar nicht. Bei Sindermann klappte es.
„Es ist toll. Ich komme hier mit vielen Mitarbeitern ins Gespräch“, sagt die Azubine aus Didderse. Die familiäre Atmosphäre in dem Betrieb gefalle ihr gut.
Genauso empfindet es auch Daniel Schniete. Bei ihm hat das allerdings auch einen realen Hintergrund: Sein Vater arbeitet ebenfalls in dem Unternehmen.
Der 19-Jährige hatte nach seinem Realschulabschluss 40 Bewerbungen abgeschickt – ohne Erfolg. In den Gastronomiebereich schnupperte er hinein, konnte sich aber nicht für eine Ausbildung als Koch begeistern. Als zu hektisch und zu beengend empfand er die Zeit in der Küche.
Als er zunächst keinen Ausbildungsplatz bekam, meldete sich Daniel Schniete für ein Berufsvorbereitungsjahr an den Berufsbildenden Schulen Gifhorn an. Ein Schritt, den er nie bereut hat.
Durch Praktika gewann er praktische Einblicke in das Berufsfeld des Zerspanungsmechanikers, über das er vorher schon viel von seinem Vater gehört hatte. Bald begann er, einmal pro Woche bei Sindermann zu arbeiten. Schließlich hatte seine Bewerbung dort Erfolg. Trotz der familiären Verknüpfung kam er nicht um einen Einstellungstest herum. Doch der verlief positiv.
Die körperliche Belastung machte auch ihm anfangs zu schaffen. Beim Feilen holte er sich so manche Blase. Seine Arme waren lahm, nachdem er Metallstangen durch die Gegend getragen hatte. „Nach der Arbeit habe ich mich erstmal ins Bett gelegt, weil ich so kaputt war“, erzählt der Azubi, der in Lagesbüttel wohnt.
Mittlerweile hat er sich an die Belastung gewöhnt. Im Februar 2014 steht seine Abschlussprüfung bevor. Ob er für den Rest seines Lebens in dem Job arbeiten möchte, weiß Daniel Schniete noch nicht. Aber erstmal war es der richtige Schritt.



