Praktikum im Ausland gut planen
Internationale Erfahrung schmückt den Lebenslauf – Vorher von neutralen Organisationen beraten lassen
Chris* hatte einen Traum: Ein Praktikum in Brasilien. Nur 99 Euro sollte die Vermittlung durch eine private Agentur kosten. Wie telefonisch vereinbart, überwies der Geografiestudent das Geld. Nach Brasilien kam er nie.
Schon bei der Beantragung des Visums wurde er stutzig. Das Visum, von der die Agentur gesprochen hatte, gab es seit Jahren nicht mehr. Seine Rückfragen blieben unbeantwortet. Am Telefon hieß es nur noch: "Kein Anschluss unter dieser Nummer." Chris hatte sein Geld an eine Briefkastenfirma überwiesen. Nun klagt er in einem Internet-Forum sein Leid.
So weit hätte es nicht kommen müssen, wenn der Student sich vorher vernünftig informiert hätte. Eine private Vermittlungsagentur kann zwar besonders für denjenigen sinnvoll sein, der ein Praktikum in exotischen Ländern sucht oder sehr spezielle Wünsche hat. Aber Internetrecherche allein reicht nicht.
Auch auf informativen, seriös wirkenden Seiten, verbergen sich manchmal schwarze Schafe. Robert Helm-Pleuger, Projektkoordinator vom europäischen Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk, rät deshalb vor Vertragsabschluss zu einer Beratung durch eine neutrale Institution.
Auslandserfahrung wird immer wichtiger für den Lebenslauf, weiß Brit Sperber vom Akademischen Auslandsamt der Universität zu Köln. Dort informiert sie über Fahrtkostenzuschüsse und Kurzstipendien. Denn Praktika sind meistens unbezahlt.
Sinnvoll ist eine Dauer von mindestens zwei bis drei Monaten. Welche Fördermittel angeboten werden, wissen neben den Universitäten, unabhängige Institutionen wie der Deutsche Akademische Austauschdienst. Fördergelder sollten mehrere Monate vor Abreise beantragt werden.
Wer beruflich gereist ist, beweist Flexibilität, beherrscht Fremdsprachen, hat interkulturelle Fähigkeiten trainiert. Auch bieten internationale Praktika die Möglichkeit, sich die Berufserfahrung anzueignen.
Eigeninitiative wird gefragt. Das Praktikum kann man sich selbst suchen, indem man Kontakt zu internationalen Firmen aufnimmt. Ansprechpartner sind auch die deutschen Auslandshandelskammern im jeweiligen Land. Fragen zu Einreise- und Visabestimmungen beantworten die Botschaften.
Es lohnt sich auch, bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit nachzufragen. Die Behörde vermittelte 2005 fast 13 000 deutsche Arbeitssuchende in die ganze Welt, darunter ein Viertel Nachwuchskräfte in befristete Jobs und Praktika.
Gute Englischkenntnisse sind in den meisten Ländern wichtig. Ausnahmen sind unter anderem Nordafrikanische Staaten wie Marokko, Algerien, Tunesien und ehemalige französische Kolonien wie Senegal und Kongo. Dort ist Französisch die Amtssprache. Gute Kenntnisse in der Landessprache sind von Vorteil, manchmal auch notwendig.
Wem es vor allem um Spracherwerb und interkulturelle Erfahrungen geht, für den könnten Freiwilligendienste die bessere Wahl sein, glaubt Robert Helm-Pleuger von Eurodesk.
Diese sind teilweise anerkannt als Ersatzdienste für Kriegsdienstverweigerer. Das Angebot ist vielfältig: Betreuung von Behinderten in England oder Waisenkindern in Afrika, Arbeit im Entwicklungsdienst in Peru oder mit Straßenkindern in Brasilien. Die Teilnehmer müssen sich sechs bis zwölf Monate verpflichten. Im Allgemeinen sind sie krankenversichert, Kost und Logis sind frei.
Wer sein Studium abgeschlossen und schon Berufserfahrung hat, kann sich stattdessen gleich einen Job im Ausland suchen. Für manche Länder könnte ein interkulturelles Training vor der Abreise sinnvoll sein. Denn es lauern Fettnäpfchen. In China überreicht man eine Visitenkarte mit zwei Händen, ansonsten beleidigt man sein Gegenüber. In den USA kann ein Foto im Bewerbungsschreiben als Diskriminierungsversuch gelten.
Egal auf welches Land die Wahl fällt: Beim Vorstellungsgespräch gelten immer häufiger auch internationale Regeln. Der Kandidat sollte die Firma, bei der er sich bewirbt, gut kennen. (*Name geändert)

