Nachhilfe vom Bildungsmanager
Was macht man beruflich, wenn man in Braunschweig Organisationskulturen und Wissenstransfer studiert hat? Zum Beispiel: Arbeitslosen zu Arbeit verhelfen.
Die Kurzform klingt noch ganz putzig: Orwi. Aber dahinter verbirgt sich ein Begriff, der selbst für einen neuen Studiengang sehr sperrig geraten ist: Organisationskulturen und Wissenstransfer – ein Masterstudiengang an der TU Braunschweig.
Um aufgenommen zu werden, muss man ein abgeschlossenes Bachelor-Studium in den Sozial- oder Erziehungswissenschaften oder einem verwandten Gebiet mitbringen. Als Ziel fassen die Studierenden oft die vielseitigen Berufsfelder Bildungsmanagement und Bildungsberatung ins Auge.
Nina Krafft war eine der ersten Absolventinnen dieses Studiengangs – und ihr ist der Einstieg genau auf diesem Gebiet gelungen. Unmittelbar nach ihrem Examen im Herbst 2008 konnte sie als Projektmitarbeiterin bei der "Agenturmark" im nordrhein-westfälischen Hagen beginnen. "Die Agenturmark versteht sich als regionales Qualifizierungszentrum, das die Arbeitsmarktpolitik des Landes in der Region umsetzt", berichtet Nina Krafft.
Es werden zum Beispiel Projekte initiiert und betreut, um ältere Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Angebot dieser regionalen Bildungsagentur richtet sich aber auch an junge Jobstarter: Ihnen werden Hilfen angeboten, um den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.
So geht es beispielsweise im Projekt "Schulwerk" darum, Angebot und Nachfrage nach Lehrstellen in den Handwerksberufen besser aufeinander abzustimmen. "Viele Ausbildungsplätze in der Region bleiben unbesetzt, weil sie den Jugendlichen nicht bekannt sind oder irrtümlich als wenig attraktiv wahrgenommen werden", sagt Nina Krafft.
Zusammen mit der örtlichen Handwerkskammer informiert sie über das Ausbildungsangebot des Handwerks in den Abschlussklassen der Schulen.
Ein weiterer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die persönliche Weiterbildungsberatung. Arbeitnehmer, die sich weiterbilden, können dafür eine Bildungsprämie von 500 Euro vom Staat erhalten. Nina Krafft informiert und berät über die örtlichen Anbieter und kann den Bildungsscheck ausstellen, wenn ein Bewerber alle Voraussetzungen mitbringt.
Nach den Erfahrungen der Erziehungswissenschaftlerin Nina Krafft wird in Studium und Beruf häufig ähnlich gearbeitet. "Am Anfang einer Projektentwicklung steht das Brainstorming – und die danach fälligen Projektanträge erinnern sehr an die Hausarbeiten im Studium."
Sie hält auch noch mit anderen Orwi-Absolventen Kontakt, von denen viele im Personalwesen gelandet sind – nicht selten allerdings auf befristeten und Teilzeitstellen. "Erst mal den Fuß reinkriegen, mobil sein, aber sich nicht verbiegen", das sind ihre Tipps für den Berufseinstieg. Die gelten nicht nur für Orwi-Absolventen.
Der Autor hat Sozialwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg studiert. Er ist Studienberater an der TU Braunschweig.



