Know-how am Computer allein ist nicht genug
Firmen reißen sich um Informatiker, die auch etwas von Wirtschaft oder Maschinenbau verstehen – Viele Studienangebote in der Region
Informatiker verstärkt gesucht – das liest man oft zurzeit. Doch wie sieht es in drei, vier Jahren aus? Sind dann die meisten Jobs in den fernen Osten verlagert? Das fragen sich viele Schulabgänger, die ein Informatik-Studium erwägen.
"Die Karrierechancen für Informatiker werden auch in einigen Jahren gut sein", sagt Maurice Shahd, Sprecher des Branchenverbands Bitkom. Sein Optimismus fußt auf zwei Faktoren. Erstens: "Die Informationstechnik ist heute eine Schlüsseltechnologie." Ohne Informationstechnologie – kurz: IT – geht in den meisten Betrieben nichts mehr.
Zweitens: "Die Zahl der Absolventen von Informatikstudiengängen war in den letzten Jahren zu niedrig. Deshalb sind und bleiben IT-Experten gefragt."
Jedoch ändert sich allmählich das Anforderungsprofil an die IT-Spezialisten. Programmierer, die vor sich hin programmieren, ohne mit ihrer Umwelt zu kommunizieren, werden rar. "Gefragt sind zunehmend teamfähige Spezialisten, die mit anderen Experten Probleme lösen – fürs eigene Unternehmen und für Kunden", betont Professor Michael Löwe, Leiter der Abteilung Informatik an der Fachhochschule der Wirtschaft Hannover. "Also müssen die Informatiker von morgen zumindest ein Überblickswissen in anderen Fachgebieten haben."
Ähnlich äußern sich häufig Unternehmensvertreter. So zum Beispiel Daniela Apel, verantwortlich für die Personalbetreuung bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall: "Wir brauchen IT-Experten, die auch das nötige betriebs- sowie finanzwirtschaftliche Know-how haben, um die Geschäftsprozesse im Unternehmen zu verstehen." Doch solche Spezialisten sind rar. Daher finanziert die Bausparkasse Jahr für Jahr mehreren Abiturienten das (Wirtschafts-)Informatikstudium.
Einen ähnlichen Bedarf signalisieren zahlreiche Firmen. Daher boomen zurzeit die "Bindestrich-Informatiker". Der Klassiker unter ihnen ist der Wirtschaftsinformatiker, der auch über betriebswirtschaftliches Know-how verfügt.
Immer stärker sind aber auch andere "Bindestrich-Informatiker" gefragt – zum Beispiel solche, die vom Maschinenbau, der Medizintechnik oder vom Versicherungswesen eine Ahnung haben. "In diesen Grenzbereichen zu anderen Disziplinen entstehen ganz neue Berufsfelder", bestätigt Rolf Chung vom IT-Mittelstandsverband VDEB.
Was folgt daraus für Abiturienten, die sich für ein Informatik-Studium interessieren? Sie sollten laut Elisabeth Heinemann, Professorin für Schlüsselqualifikationen am Fachbereich Informatik der FH Worms, darauf achten, dass ihnen ihr Studium auch fundierte Einblicke in andere Wissens- und Anwendungsbereiche bietet.
Zum Beispiel durch Praktika oder Projekte, bei denen sie mit Vertretern anderer Disziplinen im Team arbeiten. Oder aufgrund entsprechender Schwerpunktsetzungen im Studienprogramm. Informatikern mit einem solchen Profil sagt Professorin Heinemann, die auch einen Karriereratgeber für IT-Experten geschrieben hat, langfristig gute Job- und Karrierechancen voraus.



