Augenoptik – ein filigranes Handwerk
Gute Noten in Biologie, Physik und Mathe sind Voraussetzung – Kundenkontakt ebenso wichtig wie Geschick
"Die Kombination zwischen Handwerk und Kundenkontakt hat mich schon immer fasziniert." Jutta Anders ist seit 32 Jahren Augenoptikerin und noch heute jeden Tag aufs Neue mit Begeisterung dabei.
Sie hat bereits vor mehr als drei Jahrzehnten den Handwerksberuf gewählt, der heute von Abiturienten begehrter denn je ist und der als edel beschrieben wird.
Wie und wo man den Beruf erlernen kann? Mehrere Wege führen zum Ziel. Schulabgänger – sie müssen mindestens den Sekundarschulabschluss vorweisen – können sich bei Betrieben direkt bewerben und dort den Beruf von der Pike auf in drei Jahren erlernen. Wer Abitur hat, kann die Lehrzeit verkürzen. Gleichzeitig, meist wöchentlich, besuchen sie die Berufsschule.
Eine andere Möglichkeit ist das Studium. Der Fachbereich Gesundheitswesen der Fachhochschule Wolfenbüttel-Braunschweig bietet am Standort Wolfsburg in Kooperation mit der Augenoptiker-Innung Hannover einen so genannten dualen Studiengang Augenoptik an.
Das Besondere: Es handelt sich um ein Vollzeitstudium mit integrierter Berufsausbildung zum Augenoptiker und einer Gesellenprüfung am Ende des fünften Semesters. Und: Ein Vorpraktikum ist nicht erforderlich. Einzige Zulassungsvoraussetzungen sind eine Hochschulzugangsberechtigung und ein Praktikumsvertrag im Augenoptikerhandwerk für mindestens 80 Wochen. Ziel des Studiums ist es, neben den fachlichen Fähigkeiten auch eine fundierte Qualifizierung für die Übernahme von Managementaufgaben zu vermitteln.
Wer den ersten Weg einschlägt, also die dreijährige Handwerksausbildung zum Augenoptiker wählt, kann später seine Meisterprüfung ablegen oder auch studieren. An mittlerweile drei deutschen Fachhochschulen – Aalen, Jena, Berlin – besteht die Möglichkeit, den Studiengang Augenoptik zu belegen.
Momentan gibt es sowohl Bachelor- als auch Diplomstudiengänge. Der erfolgreiche Absolvent ist, wie beim Wolfsburger Fachhochschul-Angebot, am Ende "Diplom-Ingenieur Augenoptik (FH)" beziehungsweise "Bachelor of Arts Augenoptik". Dieser Abschluss ist vergleichbar mit dem Augenoptikermeister.
Jutta Anders ist Augenoptikergesellin und hat in dem Wolfsburger Augenoptikermeister Ehme de Riese den Chef gefunden, dessen Firmenphilosophie sie gerne trägt.
Die täglich neuen Herausforderungen sind für sie Motivation, auch nach so vielen Berufsjahren mit höchstem Einsatz zu arbeiten. Fachliche, soziale und modische Kompetenz muss sie jeden Tag vereinen. Mit Erfolg. Anders: "So bin ich glücklich. Ich bin einfach kein Büromensch."
Wer wie sie Augenoptiker werden will, muss "ein gewisses Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge haben", so Ehme de Riese. Gute Noten in Biologie, Physik und Mathe sind für ihn Grundvoraussetzungen für jeden Bewerber. Außerdem müsse unbedingt handwerkliches Geschick vorhanden sein, denn die Augenoptik sei ein filigranes Handwerk.
Von seinem nächsten Bewerber beziehungsweise seiner nächsten Bewerberin, die er für August 2006 noch sucht, erwartet er außerdem ein gepflegtes und sicheres Auftreten sowie die Freude am Umgang mit den Kunden.
Der Beruf ist begehrt, Ausbildungsplätze deutlich rarer als noch vor einigen Jahren. Aber die Perspektive macht Mut, sich dennoch zu bewerben. Ehme de Riese: "In unserer Branche kann jeder Arbeit finden, wenn er gut ist."
