Muslimische Asylbewerber ließen sich christlich taufen

Helmstedt  Vier ehemalige Muslime aus Afghanistan, dem Iran und Irak ließen sich in der evangelischen Kirche St. Walpurgis christlich taufen.

Vier Männer ließen sich von Pfarrer Gerhard Greve (Zweiter von rechts) in der Kirche St. Walpurgis taufen.

Foto: Beatrix Flatt/privat

Vier Männer ließen sich von Pfarrer Gerhard Greve (Zweiter von rechts) in der Kirche St. Walpurgis taufen. Foto: Beatrix Flatt/privat

Der Iraner Sadan Sakhravi, 35 Jahre alt, ist Christ. Er wurde vor zwei Jahren in Hannover getauft. „Interessiert habe ich mich für Kirchen schon als Kind.“, erinnert sich der Konvertit. „Aber meine Eltern haben mich gewarnt, dass dies mit dem Tod bestraft werden könnte.“

In der Helmstedter Kirchengemeinde St. Walpurgis haben einige Menschen, die mit der muslimischen Religion im Iran, Irak oder Afghanistan aufgewachsen sind, ihre religiöse Heimat gefunden. Vergangene Woche ließen sich vier ehemalige Muslime taufen. Anschließend gab es ein großes Fest im Gemeindesaal mit arabischen Spezialitäten, zu der auch Gemeindemitglieder kamen.

Die Christen oder am Christentum interessierten Menschen leben zum großen Teil im Heim für Asylbewerber in Helmstedt oder Harbke. Regelmäßig kommen sie sonntags in den Gottesdienst in die kleine Helmstedter Kirche und am Donnerstag zum wöchentlichen Treffen in das Gemeindehaus.

„Heute unterhielten wir uns über Nikolaus und St. Martin, über den Beginn des Kirchenjahres am 1. Advent und über die Musik von Johann Sebastian Bach“, berichtet Pfarrer Gerhard Greve, der die regelmäßigen Zusammenkünfte initiiert hat und leitet. Aber neben der christlichen Unterweisung sprächen sie auch über deutsche Kultur und Bräuche sowie über Alltagsprobleme. „Unsere Lesungen im Gottesdienst sind mittlerweile zweisprachig – persisch und deutsch“, erzählt der Pfarrer weiter. Beim letzten Taufgottesdienst übersetzte ein junger Mann aus dem Iran sogar die Predigt. Mit dem Singen hapert es noch etwas, gibt Greve schmunzelnd zu. Es gäbe zwar eine Übersetzung der Bibel ins Persische, aber keine Übersetzung des Gesangbuches.

Insgesamt hat Pfarrer Greve in den vergangenen drei Jahren zwölf ehemalige Muslime – Frauen und Männer - in seiner Kirche getauft. Eine Prüfung gäbe es nicht vor der Taufe, aber durch die wöchentlichen Treffen und die vielen Gespräche im Vorfeld, merke er, wann die Menschen für den Schritt bereit seien.

Die muslimischen Feste spielen für Ahmad Said Sadeghiyan keine Rolle mehr. Aber Weihnachten werden sie alle feiern und zwar in der Walpurgis-Kirche. In den Asylbewerberheimen wird es dagegen keine Feiern geben. Aber Ahmad Said Sadeghiyan wird Freunde besuchen – entweder aus dem Fußballverein oder aus der Berufsschulklasse. Sadan Sakhravi wird Verwandte in Berlin besuchen: „Dort gibt es Gans und Geschenke.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
Leserkommentare (6)
    Weitere Artikel aus diesem Ressort