Zonengrenzmuseum erinnert an Flucht und Vertreibung

Helmstedt  Eine Sonderausstellung im Zonengrenzmuseum dokumentiert, wie Menschen aus deutschen Ostgebieten in Helmstedt und Umgebung eine neue Heimat fanden.

Museumsleiterin Marita Sterly (links) und Susanne Weihmann vor einem Strohbett, das es einst in Durchgangslagern gab.

Foto: Jürgen Paxmann

Museumsleiterin Marita Sterly (links) und Susanne Weihmann vor einem Strohbett, das es einst in Durchgangslagern gab. Foto: Jürgen Paxmann

Auf dem Metallbett liegt ein Sack voller Stroh, dahinter stehen ein Holzkoffer, ein mickriger Herd mit Töpfen aus Flugzeug-Aluminium und eine Kochkiste zum Durchgaren vorgekochter Gerichte. Das sind typische Einrichtungsgegenstände, die Flüchtlinge und Vertriebene in den Jahren ab 1945 in hiesigen Barackenlagern vorgefunden haben.

Für die neue Sonderausstellung „Ankunft im Landkreis – Flüchtlinge und Vertriebene im Helmstedter Land“ im Zonengrenzmuseum haben sich Museumsleiterin Marita Sterly und Susanne Weihmann in die Nachkriegszeit zurückgedacht.

Während Sterly im Museumsbestand nach urtümlichen, greifbaren Erinnerungsstücken Ausschau hielt, war Susanne Weihmann auf der Suche nach Zeitzeugen. In vielen Gesprächen und bei Recherchen in Archiven hat sich die private Geschichtsforscherin manch’ dramatisches Schicksal angehört und einige der Lebensgeschichten aufgeschrieben. Daraus entstanden sind 22 Ausstellungstafeln, die nun in Wort und Bild darstellen, wie die geflüchteten oder vertriebenen Menschen aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen damals in Helmstedt und Umgebung aufgenommen wurden – und wie sie sich in den Jahren in der neuen Heimat integriert haben.

Die Ausstellungsbesucher erfahren zum Beispiel, wie Einheimische nach den Vorgaben der britischen Militärregierung ihren privaten Wohnraum für Zugewanderte zur Verfügung zu stellen hatten.

Beschrieben wird das Leben im Durchgangslager Mariental, in den Barackenlagern der Bahnhofsmission und an der Emmerstedter Straße in Helmstedt sowie im Heidwinkel bei Grasleben. Im Zusammenhang mit dem Bauboom der 50er Jahre, mit dem man die Wohnungsnot allmählich überwand, wird unter anderem die Helmstedter Siedlung am Tangermühlenweg vorgestellt. Zu der Zeit hatte die Kreisstadt an die 30 000 Einwohner, 10 000 mehr als heutzutage.

Anhand von fünf Biografien aus Süpplingen, Helmstedt, Schöningen und Lelm möchte Weihmann darlegen, wie sich das Ankommen der Zugewanderten in Beruf und Freizeit entwickelt hat.

„Die Brüche, die sich durch das Verlassen der Heimat in vielen Familien vollzogen haben, sind heute noch spürbar. Selbst wenn die Interviewten damals nur Kinder waren“, stellt Weihmann fest.

Eröffnet wird die Sonderausstellung am Sonntag, 18. November, um 16 Uhr. Sie ist bis 27. Januar im Zonengrenzmuseum am Südertor 6 zu sehen. Öffentliche Führungen sind für den 28. November und 20. Januar, jeweils ab 15 Uhr, geplant. Der Eintritt ist frei.

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