Berlusconi zu vier Jahren Haft verurteilt
Debatte des Tages Der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi ist in einem Prozess um Steuerbetrug zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Glauben Sie, dass Berlusconi wirklich ins Gefängnis muss?
Drei Jahre davon erließ ihm ein Mailänder Gericht in seinem
Urteil am Freitag - unter Berufung auf ein Gesetz von 2006, das wegen der
überfüllten italienischen Gefängnisse beschlossen worden war. Es gilt als
sicher, dass die Anwälte Berlusconis
Berufung gegen dieses erstinstanzliche Urteil einlegen werden. Berlusconi sprach von einem „politischen
Urteil“.
Ob das Urteil in einem Berufungsverfahren überhaupt
rechtskräftig werden kann, ist offen. Denn eine Verjährung der Straftaten ist
nicht ausgeschlossen. Der 76-Jährige war einer von elf Angeklagten in dem
bereits vor sechs Jahren begonnenen Verfahren um Berlusconis Konzern Mediaset.
Berlusconi war nach Auffassung des Gerichts
in den 1990er Jahren persönlich in eine Kette fingierter Verkäufe verwickelt.
Beim Verkauf von TV-Rechten des Mediaset-Konzerns seien die Kosten um Hunderte
Millionen Dollar aufgebläht worden, argumentierte Staatsanwalt Fabio De
Pasquale. Das Gericht sprach von einem Geldfluss in Berlusconis Kassen. Die Verurteilten müssen
zehn Millionen Euro an die italienischen Steuerbehörden bezahlen, entschieden
die Richter.
Berlusconi hatte wiederholt seine Unschuld beteuert
Die Staatsanwaltschaft hatte für den 76 Jahre alten
Medienzaren drei Jahre und acht Monate Haft beantragt. Das Gericht ging noch
darüber hinaus und untersagte es Berlusconi überdies für fünf Jahre,
öffentliche Ämter zu bekleiden. (Hier geht's zum Kommentar "Phönix Berlusconi?")
Erst am Mittwoch hatte der
skandalumwitterte Berlusconi
offiziell mitgeteilt, dass er bei der Parlamentswahl im Frühjahr 2013 doch nicht
wieder als Kandidat für das Amt des Regierungschefs antreten will.
Berlusconi hatte wie bereits in anderen
Prozessen wiederholt seine Unschuld beteuert. In seiner Zeit als
Ministerpräsident hatte er mit mehreren Justiz-Gesetzen dafür gesorgt, dass das
Mediaset-Verfahren wie auch andere Prozesse gegen ihn unterbrochen wurden. Damit
rückten die ihm vorgeworfenen Straftaten näher an eine Verjährung heran.
US-Filmstar George Clooney sollte aussagen
In Dutzenden von gerichtlichen Auseinandersetzungen erprobt, hat der
76-jährige „Cavaliere“ jetzt vor allem noch den sogenannten Ruby-Prozess in
Mailand am Hals. Auch in dem Verfahren könnte ein Urteil in der ersten Instanz
noch vor dem Jahresende fallen.
Der Sex-Prozess wurde am selben Tag ohne
prominente Zeugen fortgeführt: US-Filmstar George Clooney und seine frühere
Freundin Elisabetta Canalis glänzten im Mailänder Justizpalast durch
Abwesenheit. Beide sollten als Zeugen der Verteidigung Berlusconis in dessen Verfahren um Sex mit
minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch aussagen. Die
Staatsanwaltschaft kritisierte die Verteidigung, die Clooney zu spät geladen
habe und auf Zeit spiele, um das Verfahren näher an eine Verjährung zu bringen.
Berlusconis Anwälte erhofften
sich von Clooney möglicherweise die Aussage, bei Festen in einer Villa Berlusconis keine wilden Partys mit
sexuellen Ausschweifungen gesehen zu haben. Laut Berlusconi ging bei seinen Partys alles mit
rechten Dingen zu. dpa



