Klimagipfel ohne Aussicht
Auf ein „Zeichen der Zuversicht“ wird der Umweltminister vergeblich warten. Peter Altmaier selbst reist mit leeren Händen zum Klimagipfel Nr.18. Dem Mega-Event mit 15 000 (!) Unterhändlern, Umweltaktivisten und Wirtschaftslobbyisten aus 195 Ländern im Wüstenscheichtum Katar bleibt die Kanzlerin fern.
Die einstige Klimapionierin Angela Merkel, vollauf mit Europas Krisen und der ins Stocken geratenen Energiewende beschäftigt, hat die Klimaziele aus dem Blick verloren und schaut tatenlos auf das zweiwöchige Palaver. Weltweit ist der Kampf gegen die Erderwärmung ins Hintertreffen geraten, ist der von Menschenhand verursachte Klimawandel kein Thema mehr von Brisanz. Schlimmer noch: Für die Rettung unseres Planeten ist kein Geld da.
Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien zeigen mit dem ausgestreckten Finger auf die Sünden der Industrieländer. Deren anhaltender Hunger nach Energie lässt keinen Abschied von den fossilen Brennstoffen zu.
Nicht einmal die einst vorbildliche EU wird ihr Ziel erreichen, die co² -Emissionen bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren. Jahr um Jahr steigen die Emissionen, warnt die Umweltorganisation der Uno, bis 2020 auf 58 Giga-Tonnen.
Ban Ki Moons Beschwörung
Im Oktober 2009 interviewte ich den Uno-Generalsekretär in Kopenhagen: „Ich bedränge die Führer der Industrie- und Entwicklungsländer, ohne zu zögern alles zu tun, was sie müssen“, versicherte mir Ban Ki Moon. Aber sie taten nichts, der Klimagipfel in Dänemark war ein einziges Debakel.
Das Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll liegt in Katar auf Wiedervorlage. Ob in der Hauptstadt Doha ein „klarer Fahrplan“ verabschiedet wird, von dem Altmaier träumt, steht in den Sternen.
Vergebens verweist Hans Joachim Schellnhuber, der Chef des hoch renommierten Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, auf die „bitteren Folgen“, sollte die globale Erd erwärmung ungebremst anhalten und sich nicht bei einem Plus von zwei Grad stabilisieren lassen. Jetzt drohe der Menschheit zum Ende des Jahrhunderts eine um vier Grad wärmere Welt, warnt die Weltbank in ihrer von den Potsdamern wesentlich mit erforschten Studie.
Für uns Deutsche ist es nur auf den ersten flüchtigen Blick eine beruhigende Nachricht, dass wir unter die Regionen fallen, die am spätesten betroffen sind. Doch mit einem immer mal wieder trockenen Flussbett des Rheins werden wir uns abfinden müssen, ebenso mit Hitzewellen, Überschwemmungen und Missernten.
Dramatisch hingegen wird es Millionen Menschen in tropischen Gefilden treffen. Die Umweltschwankungen reichen vom Absterben der Regenwälder bis zum Verlust fruchtbarer Böden. Das bevölkerungsreiche Afrika wird von Hungersnöten heimgesucht werden, weil die Nahrungsmittel immer knapper werden. Die Szenarien mit Klimaflüchtlingen mag man sich nicht ausmalen.
Technisch und ökonomisch ist laut Schellnhuber das Zwei-Prozent-Ziel noch immer zu erreichen. Doch die Wahrscheinlichkeit liege bei zehn Prozent. Wahrlich kein „Zeichen der Zuversicht.“
KOMMENTAR
„Mit Hitzewellen, Überschwemmungen und Missernten müssen wir uns abfinden.“

