Zukunft der leerstehenden Märkte ist ungewiss

Braunschweig  An der Otto-von-Guericke-Straße herrscht seit 2014 Stillstand. Die Nutzung scheitert bisher am Zentrenkonzept.

Wer zum Einkaufen in die Otto-von-Guericke-Straße fährt, muss stets an zwei leerstehenden Komplexen vorbei: Auf der einen Seite befindet sich der ehemalige Max-Bahr-Baumarkt, der im Februar 2014 geschlossen wurde. Auf der anderen Seite ist der Gewerbekomplex, in dem bis Ende 2014 Aldi, Tedox und Intersport ansässig waren. Seitdem tut sich nicht viel.

In den Blick geraten die leerstehenden Objekte gerade jetzt wieder verstärkt aufgrund der Vorgänge im benachbarten Hochhaus: Die Stadtverwaltung hatte dort kürzlich Brandschutz-Mängel festgestellt. Diese führten dazu, dass acht Mieter ihre Apartments sofort räumen mussten. Die übrigen knapp 60 Mieter könnten aus Sicht der Stadt zunächst wohnen bleiben, wenn der Eigentümer kurzfristig beim Brandschutz nachbessert. Das geschieht wohl auch. Dennoch hat der Eigentümer allen Mietern zum 31. Dezember 2017 gekündigt. Er wolle den Wohnkomplex nicht weiter betreiben, hatte er über seine Anwältin mitteilen lassen. Was er danach mit dem Hochhaus vorhat, ist unbekannt. Auf Anfragen unserer Zeitung hat er bislang nicht reagiert.

Fakt ist, dass dem Eigentümer auch der Gewerbekomplex nebenan gehört, in dem einst Aldi, Tedox und Intersport waren. Mehrfach hatte er versucht, den Komplex zu vergrößern, beziehungsweise neue Mieter dafür zu finden. Zwar gab es auch immer wieder Interessenten, doch der Bebauungsplan und das Zentrenkonzept lassen an dem Standort vieles nicht zu. Das Zentrenkonzept soll insbesondere den kleinteiligen Einzelhandel in der Innenstadt schützen. Es gibt vor, welche Waren außerhalb der City zulässig sind und wie groß die Verkaufsflächen sein dürfen.

Gegen einige Vorgaben des Bebauungsplans hatte der Eigentümer vor ein paar Jahren geklagt – mit Erfolg: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erklärte den Bebauungsplan 2013 für unwirksam. Die Stadt stellte daraufhin einen neuen Bebauungsplan auf.

Demnach sind in diesem Bereich der Otto-von-Guericke-Straße folgende Sortimente zulässig: Möbel und Einrichtungen, Gartenbedarf, Baubedarf, großteilige Sportgeräte, Wohnwagen/Campingfahrzeuge, Kraftfahrzeuge und Zubehör sowie Kleintiere und Tierhaltung. Offensichtlich finden sich aber keine Unternehmen, die dort ein dem Bebauungsplan entsprechendes Angebot machen wollen.

Und wie geht es nun weiter? Laut der Stadtverwaltung gibt es zurzeit seitens des Eigentümers keine Anträge zur weiteren Nutzung des Gewerbekomplexes. „Zwei unterschiedliche Interessenten hatten kürzlich Anfragen für die Nutzung für sportliche Zwecke gestellt. Dies lässt der Bebauungsplan jedoch nicht zu“, sagt Stadtsprecher Adrian Foitzik.

Immer wieder der Bebauungsplan – er spielt auch beim früheren Max-Bahr-Baumarkt auf der anderen Straßenseite eine Rolle. Jedoch ist es nicht derselbe Bebauungsplan, sondern für diesen Standort gibt es einen eigenen. Und der sieht dort eine Beschränkung auf die Sortimente Bau und Garten vor.

Eigentümer der Immobilie ist seit der Insolvenz der Bahr-Märkte die Möbelkette XXXLutz, die bereits in Wenden eine Filiale betreibt. An der Otto-von-Guericke-Straße will das Unternehmen einen Möbel-Mitnahmemarkt mit 50 bis 60 Arbeitsplätzen eröffnen. So weit, so gut – nur steht das in Widerspruch zum Bebauungsplan.

Seit vielen Monaten gibt es nun schon Gespräche zwischen der Stadt und XXXLutz. Es geht auch hier um die Frage, welche Waren zulässig sind, so dass den Innenstadt-Kaufleuten keine Konkurrenz entsteht. Zu den Details will sich das Unternehmen zurzeit nicht äußern. Seitens der Stadtverwaltung heißt es auf Anfrage: „Ob und wann ein Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans eingeleitet wird, hängt von den Ergebnissen der laufenden Gespräche ab.“

Es ist also nach wie vor alles offen. Der Leerstand wird noch eine Weile bleiben.

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