Braunschweigs neuer Prinz kommt aus Göttingen

Braunschweig  Die Karneval-Session ist eröffnet. Die Narren haben das Sagen. Der Oberbürgermeister übergab ihnen Schlüssel und Stadtsäckel.

Eröffnung der Karnevals-Session in Braunschweig

Es ist wieder soweit! Für Tausende Narren im Braunschweiger Land beginnt am ölften Ölften die fünfte Jahreszeit. Oberbürgermeister Ulrich Markurth und die Präsidenten dreier Karnevalsgesellschaften eröffneten die Session. Video: Cornelia Steiner
Sa, 11.11.2017, 16.13 Uhr

Eröffnung der Karnevals-Session in Braunschweig

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Im Karneval muss man immer für Überraschungen gewappnet sein – etwa für diese: Braunschweigs neuer Karnevalsprinz ist kein Braunschweiger, sondern ein waschechter Göttinger. Seine Tollität Detlef I. wurde am Samstag in der Dornse des Altstadtrathauses proklamiert. Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Ist das hiesige Prinzenamt so begehrt, dass selbst von außerhalb Kandidaten Schlange stehen? Oder gehen Braunschweig, der norddeutschen Karneval-Hochburg, etwa die Prinzen aus?

Diese Frage blieb offen, als Oberbürgermeister Ulrich Markurth und die Präsidenten der Braunschweiger Karneval-Gesellschaft von 1872, der Karneval-Vereinigung der Rheinländer und der Mascheroder Karnevalgesellschaft Rot-Weiß die Session 2017/2018 eröffneten. Immerhin: Die P-Frage hat es in sich. So ein Prinz muss jede Menge Veranstaltungen von Anfang bis Ende durchstehen – kein Job für Zartbesaitete.

Detlef I. ist geübt: Schließlich war er auch in Göttingen, wo er nach wie vor lebt, schon Karnevalsprinz. Zugleich versichert er, dass er bereits seit einigen Jahren Mitglied der Karneval-Vereinigung der Rheinländer sei, die hier traditionell immer den Prinzen stellt. Sein Motto? „Ich will Frohsinn und Heiterkeit für alle vermitteln“, so Detlef Koch. „Das Tolle am Karneval: Man kann aus sich selbst herauskommen, aus dem manchmal tristen Alltag, aus Problemen!“

Die P-Frage hat übrigens noch eine weitere Dimension, wie der Oberbürgermeister am Samstag deutlich machte: „Wir werden uns auch mit der Genderfrage auseinandersetzen. Wenn ich mir diese tollen Männer um mich herum angucke... Es gibt ja verschiedene Vorschläge, dass vielleicht jeder dritte Prinz eine Prinzessin sein sollte. Wir müssen dieses Thema angehen!“

Zu lösen sind auch andere Probleme: Markurth bedauerte, dass die Karnevalisten aus Cremlingen dieses Mal wohl nicht am Schoduvel im Februar teilnehmen werden, wie sie am Freitag bekanntgaben. „Der Schoduvel ist nicht der Nabel der Welt, aber für uns ist er der Höhepunkt – auch in der Außenwirkung“, sagte er. „Also lasst uns dafür eintreten, dass wir überall feiern im Braunschweiger Land, uns gegenseitig unterstützen und keine Konkurrenz machen und uns alle beim Schoduvel treffen.“

Der Oberbürgermeister lobte die vielen Unterstützer des Karnevals, insbesondere den Förderverein „Karneval 111“, ein Klub von Unternehmen: „Sie haben Großartiges geleistet und werden uns auch weiter helfen, damit es gelingt, hoffentlich noch in diesem Winter eine neue Halle in Kralenriede zu errichten, so dass unsere Wagen gut untergestellt sind und dort gemeinsam zum Schoduvel starten können.“

Markurth ging auch darauf ein, dass es immer mehr Auflagen gebe: „Es geht um Sicherheit, Ordnung, Jugendschutz und Sauberkeit. Das ist völlig in Ordnung, aber es kostet halt viel Geld“, sagte er. „Ich habe mich daher entschlossen, dem Rat vorzuschlagen, die Förderung des Karnevalumzugs um fast 50 Prozent zu erhöhen.“ Bislang erhält das Komitee Braunschweiger Karneval einen jährlichen Zuschuss von 70 500 Euro. „Eine Erhöhung ist in dieser Zeit nicht ganz leicht, aber der Karneval im Braunschweiger Land ist mehr als nur der Umzug: Das ist eine jahrhundertelange Kultur, Stadtmarketing vom Feinsten und inzwischen auch ein ökonomischer Faktor.“

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