„Flüchtlinge belasten unseren Arbeitsmarkt nicht“

Braunschweig  Geschäftsführer Harald Eitge erklärt, wie sich die Arbeitsagentur Braunschweig vorbereitet.

Die ersten Flüchtlinge treffen in Braunschweig ein. Rund 1000 werden erwartet. Ansprechpartner für sie ist die Arbeitsagentur am Cyriaksring. Wie man sich dort vorbereitet, darüber sprach Redakteur Jörn Stachura mit Geschäftsführer Harald Eitge.

Herr Eitge, etwa 1000Flüchtlinge soll Braunschweig aufnehmen, was heißt denn das für die Arbeitsagentur und Braunschweigs Arbeitsmarkt?

Wenn ich das nur genau wüsste. Die Arbeitsagentur ist zwar für alle Flüchtlinge zuständig, denen eine Unterkunft in Braunschweig zugewiesen ist. Doch wer von ihnen arbeiten kann und darf, das ist eine ganz andere Frage.

Es heißt, wer als Flüchtling drei Monate in Deutschland ist, der darf grundsätzlich arbeiten.

Und das stimmt nicht. Wer wird zum Beispiel aus den Westbalkan-Ländern kommen? Die Bundesregierung will beschließen, dass Albanien, Bosnien und Herzogowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien als sichere Länder gelten. Außerdem wird es unter den Flüchtlingen in Braunschweig auch Kinder und Senioren geben. Die können oder dürfen nicht arbeiten. Wie groß diese Gruppen sein werden, das wissen wir noch nicht.

Die Arbeitsagentur im Blindflug?

Natürlich nicht. Jedenfalls nicht gänzlich. Es gibt eine Hochrechnung der Bundesarbeitsagentur in Nürnberg, wonach in unserem Bezirk 1048 Flüchtlinge nach Arbeit suchen werden.

Es hieß aber doch, die Arbeitslosigkeit werde um etwa 5 Prozent steigen.

Und das stimmt ja auch halbwegs. Ich möchte noch einmal in Erinnerung rufen: 1048 arbeitssuchende Flüchtlinge im gesamten Agenturbezirk. Der Bezirk umfasst nicht nur Braunschweig, sondern zusätzlich auch Wolfenbüttel, Salzgitter und Goslar. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt hier etwa 20 000.

Sollte kein einziger Flüchtling in Arbeit vermittelt werden, woran ich nicht glaube, würde die Zahl der Arbeitslosen tatsächlich um etwa 5 Prozent steigen. Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen, um zu erklären: Die Zahl der Arbeitslosen könnte sich um 5 Prozent erhöhen. Aber natürlich nicht die Arbeitslosenquote, wie manche meinen. Denn wenn die Quote um 5 Prozent steigt, würde sich die Gesamtzahl der Arbeitslosen fast verdoppeln. Und diese Annahme ist natürlich Quatsch. Fakt ist: Flüchtlinge werden unseren Arbeitsmarkt nicht belasten.

Das müssen Sie näher erklären.

2015 hatten wir in Braunschweig die niedrigsten Arbeitslosenzahlen nach der Wiedervereinigung. Sollte kein einziger Flüchtling in Arbeit vermittelt werden, woran ich nicht glaube, ließe uns das auf das Ergebnis des Jahres 2014 zurückfallen. Das war das Jahr mit dem zweitbesten Ergebnis. Sogar die saisonale Schwankung der Arbeitslosenzahl ist größer als die angenommene Zahl arbeitssuchender Flüchtlinge.

Momentan spüren wir von Flüchtlingen ohnehin nichts auf Braunschweigs Arbeitsmarkt. Außer den unbegleitet reisenden Jugendlichen gibt es schlicht keine Flüchtlinge in Braunschweig. Die Landesaufnahmebehörde zählt in diesem Fall nicht. Nur Flüchtlinge, denen in Braunschweig eine Unterkunft zugewiesen ist, könnten sich hier Arbeit suchen. Alle anderen nicht.

Wer in Arbeit vermitteln will, wird Flüchtlinge qualifizieren müssen. Qualifizierung kostet Geld. Haben Sie zusätzliche Mittel erhalten?

Ja. 1,7 Millionen Euro. Am Geld wird es definitiv nicht scheitern. Wir sind selbst auf Eventualitäten vorbereiten. Das heißt: Wir können zusätzliche Mittel nachfordern, und es gibt sogar Reserven.

Mit diesem Geld dürfen aber nur Deutsch-Aufbaukurse bezahlt werden. Kurse, um Flüchtlingen Grundkenntnisse in Deutsch beizubringen, muss die Kommune zahlen. Wäre es nicht besser, wenn es das alles aus einer Hand geben würde?

Es ist, wie es ist. Am Ende zählt: Wie gut arbeiten Agentur und Kommune zusammen? In Braunschweig arbeiten wir traditionell sehr gut zusammen. Das ist übrigens keine Selbstverständlichkeit.

Was macht Sie so sicher, dass Flüchtlinge ihren Platz in Braunschweigs Arbeitswelt finden?

Bei der Hälfte der Flüchtlinge soll es sich um junge Menschen unter 35 Jahren handeln. Das sind bildungsfähige Menschen. Und sie bringen Motivation mit. Wer alles aufgibt, nach Deutschland flüchtet und sich tausende Kilometer durch Europa durchschlägt, der kommt nicht mit dem Ziel, für immer arbeitslos zu bleiben.

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