Schnee bringt Winterdienst ins Schwitzen

Braunschweig   Ab 2.30 Uhr waren die Streufahrzeuge auf der Straße. Und wo wird zuerst geräumt?

Ingo Damker war gestern mit seinem Großstreuer unter anderem in der Gartenstadt unterwegs.

Foto: Peter Sierigk

Ingo Damker war gestern mit seinem Großstreuer unter anderem in der Gartenstadt unterwegs. Foto: Peter Sierigk

Der zweite Schneetag in Folge! Auf dem Nußberg herrschte gestern wieder Hochbetrieb: Kinder und Erwachsene hatten ihre Schlitten rausgeholt und rodelten in einer Tour. Doch auch auf den Straßen war viel los – die Polizei hatte einiges zu tun: Allein bis zum Mittag kam es wegen der Schneeglätte zu 25 Unfällen, 5 davon auf den Autobahnen. „Die Kollegen sind kaum nachgekommen, alle Unfälle aufzunehmen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Klages. Zum Glück verlief alles weitgehend glimpflich: Drei Menschen wurden leicht verletzt. Es gab geringe Blechschäden. In den meisten Fällen kamen die Autos nicht rechtzeitig zum Stehen oder gerieten ins Schleudern.

Wann hat der Winterdienst mit dem Räumen begonnen?

Richtig viel zu tun hatte gestern auch der kommunale Winterdienst von Alba. 70 Mitarbeiter und 28 Fahrzeuge waren im Einsatz – Großstreuer, Traktoren, Kleinfahrzeuge und Pritschenwagen. Wie Pressesprecher Gerald Gaus mitteilt, war der Winterdienst ab 2.30 Uhr im Einsatz. „Bis 5 Uhr waren die Hauptverkehrsstraßen schneefrei geräumt und gestreut“, sagt er. „Ab 5 Uhr setzte aber wieder Schneefall ein, so dass es erneut zu Behinderungen durch Schnee und Eis kam – obwohl wir weiterhin permanent in vollem Einsatz waren.“

Welche Straßen und Wege werden zuerst geräumt?

Nach Auskunft der Stadt sind die Kommunen nicht verpflichtet, unbegrenzt Winterdienst auf Fahrbahnen zu leisten, sondern entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit. Alba geht deswegen nach Prioritäten vor: Zunächst werden Hauptverkehrs- und Durchgangsstraßen geräumt beziehungsweise gestreut, ebenso Straßen für öffentlichen Personennahverkehr und Zufahrtsstraßen zu Krankenhäusern und Feuerwachen. Zur Priorität 1 zählen auch verkehrswichtige und gefährliche Stellen wie Gefällstrecken, scharfe Kurven und Verengungen, so Alba-Sprecher Gaus.

„Erst nachdem in dieser Stufe eine hinreichende Befahrbarkeit erreicht ist, werden die Straßen der Priorität 2 behandelt“, erläutert er. Dazu zählen Straßen zu Gewerbe- und Industriegebieten, Verbindungsstraßen und sogenannte Wohnsammelstraßen, die den Verkehr von Nebenstraßen zu Hauptstraßen führen.

Was geschieht in Nebenstraßen und auf Radwegen?

Wohn- und Nebenstraßen zählen zu Priorität 3. Das heißt: Diese Straßen werden nur im Ausnahmefall geräumt und gestreut – nämlich dann, wenn es auch bei langsamem Fahrtempo nicht mehr möglich ist, die Straßen der Priorität 1 und 2 zu erreichen. Das war gestern allerdings bei weitem noch nicht der Fall. Die Stadtverwaltung weist zudem darauf hin, dass das Räumen in Nebenstraßen wegen parkender Fahrzeuge und geringer Schneelagerflächen nur begrenzt möglich ist.

Wie bei den Straßen gibt es auch für Radwege eine Prioritätenliste: Der Schnee wird zuerst im Stadtzentrum und innerhalb des Wilhelminischen Rings geräumt, danach folgen die Haupteinfallstraßen und schließlich die Außenbezirke.

Wo wird nur geräumt, wo wird Salz gestreut?

„Auf Fahrbahnen wird je nach Schneelage geräumt und gestreut“, sagt Alba-Sprecher Gaus. Salz und andere auftauende Stoffe werden ihm zufolge aus Umweltschutzgründen nur sparsam eingesetzt. Auf Überwegen im Bereich von Kreuzungen verwendet der Winterdienst nur Streustoffe mit abstumpfender Wirkung – also Sand und Splitt.

Wo ist Alba nicht fürs Schneeräumen zuständig?

Auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen ist für das Räumen und Streuen immer der Eigentümer des angrenzenden Grundstücks verantwortlich, erläutert Gerald Gaus. Die Sicherungspflicht besteht nach jedem Schneefall und bei Glätte werktags von 7 bis 22 Uhr sowie sonn- und feiertags von 8 bis 22 Uhr. Die Wege sind nach Auskunft der Stadtverwaltung jeweils in einer Breite von mindestens 1,50 Meter zu räumen.

Wohin darf der Schnee geschoben werden?

Nicht auf Radwege, Abläufe, vor Ein- und Ausfahrten oder in den Rinnstein. Die Stadt bittet darum, den Schnee auf den Gehweg am Fahrbahnrand oder in den Vorgarten zu schieben. „An Fußgängerüberwegen, Straßenkreuzungen und Einmündungen muss eine Sichtbehinderung ausgeschlossen sein“, so die Verwaltung.

Darf zum Streuen von Gehwegen Salz verwendet werden?

Nein. Für den privaten Einsatz sind alle chemischen Auftaumittel, also auch Salz, verboten. Darauf weist die Stadtverwaltung immer wieder hin. Ausnahmen gelten demnach nur für Blitzeis sowie auf Treppen oder Rampen für Rollstuhlfahrer. Bei besonders schwierigen Wetterlagen entscheidet der Oberbürgermeister über eine allgemeine Freigabe zur Salzstreuung.

Wer räumt die Wege in der Innenstadt?

Auch dort sind die Anlieger zuständig. Der Alba-Winterdienst schafft zusätzlich in der gesamten Fußgängerzone einen drei Meter breiten Mittelstreifen und 15 Querungshilfen.

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