Markurth: „Das ist ein sehr trauriger Tag für unsere Stadt"

Braunschweig  Fassungslose Gesichter, ängstliche Blicke - die Menschen in Braunschweig können es kaum glauben. Der Karnevalsumzug ist abgesagt. Die Polizei informiert per Lautsprecherdurchsagen.

Der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands, der Schoduvel, muss zum ersten Mal in seiner Geschichte abgesagt werden. Darauf haben sich die Polizei, der Staatsschutz und Oberbürgermeister Ulrich Markurth am Sonntagvormittag verständigt, nachdem offenbar eine ernstzunehmende Terrorgefahr in Braunschweig besteht.

Nach Informationen unserer Zeitung wird ernstzunehmenden Hinweisen, die es gibt, derzeit in der Braunschweiger Innenstadt bereits nachgegangen.

„Ja, wir müssen absagen“, bestätigte der Oberbürgermeister unserer Zeitung. Der Staatsschutz schätze die Lage so ein, so Markurth, dass es ernstzunehmende Hinweise aus verlässlichen Quellen auf ein Ereignis in zentraler Lage gebe.

Markurth gegenüber der Braunschweiger Zeitung: „Da gibt es für uns keine Alternativen.“ Jetzt gehe es darum, dass viele Menschen, die sich den Weg in die Braunschweiger Innenstadt vorgenommen hätten, informiert werden müssten. Wer bereits da sei, den könne man nicht vom Feiern abhalten.

In der Volkswagenhalle sagte der Polizeipräsident vor rund 500 konsternierten Karnevalisten, die bereits auf dem Sprung zum Schoduvel waren: „Es gibt konkrete Hinweise auf einen möglichen Anschlag. Die Sicherheit muss gewährleistet sein. Deshalb haben wir uns heute um 10 Uhr entschlossen, den Karnevalsumzug kurzfristig abzusagen.“

Kurz darauf hallten bereits Lautsprecherdurchsagen der Braunschweiger Polizei durch die Innenstadt. Viele Menschen, viele von ihnen bereits bunt kostümiert und in Feierlaune, konnten es zunächst gar nicht glauben und vergewisserten sich immer wieder. Doch es stimmte.

„Es ist eine konkrete Gefahr, sonst wäre es zu dieser Entscheidung nicht gekommen“, sagte Polizeisprecher Joachim Grande unserer Zeitung. Die in der Innenstadt bereits befindlichen und für die Sicherheit des Karnevalsumzuges eingesetzten Kräfte seien jetzt damit beschäftigt, den ernstzunehmenden Hinweisen auf eine Terrorgefahr in der Innenstadt nachzugehen. Einen konkreten Ort konnte Grande nicht nennen. Gezielte Sperrungen werde es zunächst nicht geben.

Der Sonntagvormittag war zunächst unter angespannten Umständen verlaufen. Am Vormittag wurde der Oberbürgermeister telefonisch alarmiert und über die ernste Lage informiert. Markurth eilte dann in den Einsatz-Lageraum der Polizei, wo es zu dem entscheidenden Gespräch mit dem Polizeipräsidenten und dem Zugmarschall kam. Der Umzug wird abgesagt!

Oberbürgermeister Markurth gab am Mittag eine Erklärung heraus: „Das ist ein sehr trauriger Tag für unsere Stadt und all die Menschen, die sich – so wie ich – so sehr auf den Umzug gefreut hatten. Es ist auch ein trauriger Tag für unsere demokratische Gesellschaft. Die Einschätzung der Polizei ließ eine andere Entscheidung allerdings nicht zu. Die Sicherheit der Menschen hat Vorrang und ich bitte die Menschen, die in der Stadt unterwegs sind, Hinweise von Polizei und Festkomitee zu beachten. Wir sollten uns allerdings die Freude am Karneval durch dieses Ereignis nicht nehmen lassen.“ Die Stadt schaltete ein Bürgertelefon: 0531/ 2345678

Lesen Sie dazu auch den Leitartikel unserers Chefredakteurs Armin Maus: Verteidigen Sie unsere Freiheit!

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
Leserkommentare (330)