Das Tor zur Innenstadt an der alten Stadtmauer

Braunschweig  Das neue BZV-Medienhaus fügt sich harmonisch in die teils uralte Bebauung zwischen Petri- und Brüdernkirche ein.

Die Bauplane ist weg, hinter ihr zeigt sich nun ein weiterer Hingucker in einer sich architektonisch nach und nach neu erfindenden Braunschweiger Innenstadt. Das neue BZV-Medienhaus präsentiert sich – im baulichen Ensemble zwischen Brüdernkirche und Petrikirche – wie ein Tor zur nordwestlichen Innenstadt, unübersehbar für Tausende von Menschen, wenn sie Braunschweig besuchen.

Das Gebäude selbst – ein baulicher Imperativ, der einerseits Signalwirkung ausstrahlt, sich aber doch zurücknimmt durch seinen geschliffenen Baukörper, sich harmonisch einpasst in das seit Jahrhunderten vorgegebene Ist zwischen Petri- und Brüdernkirche.

Architekt Rainer Ottinger hat ihn behutsam entworfen, ihn in Bestehendes so nahtlos integriert, dass man unwillkürlich meint, hier habe nie etwas anderes gestanden oder stehen können als so ein Pressehaus.

Fünf Stockwerke hoch, kommt das Gebäude wohltuend unauffällig daher, das neue Medienhaus, mit sanften, mediterran wirkenden Farben und Formen. Selbstbewusstsein, Dynamik, Kraft und Eigenständigkeit soll es ausstrahlen, so Ottinger, der „geistige Vater“ des Gebäudes. Ohne Anspruch auf bauliche Dominanz, die ihm hier nicht zustehen würde, als Neuling im uralten Weichbild-Ensemble.

Das Gebäude, sagen viele, wirke an dieser Stelle als logisch empfundene Ergänzung, die innere Kraft erahnen lässt, ohne sie zeigen zu wollen. Auch Rainer Ottinger ist zufrieden mit der Optik. „Form, Volumen, Architektonik – es ist alles 1:1 so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben.“

Der Standort – eine Reminiszenz an die Allgegenwärtigkeit des gedruckten Wortes, des Lesens, sich Weiterbildens an dieser Stelle. Hintern Brüdern – jahrzehntelang Treffpunkt von Braunschweigs Leseratten. Hier stand das Gebäude der Öffentlichen Bücherei, befand sich seit 1928 die Lesehalle, im „Haus der geistigen Arbeit“, das von Herman Flesche entworfen wurde. Gegenüber: das im 13. Jahrhundert gebaute Franziskanerkloster mit seiner berühmten Bibliothek. Und dann wurde hier noch, seit 1876, über Schulbüchern „gebüffelt“, in der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule, genau gegenüber der Brüdernkirche. Das alles war einmal. Nun steht hier das Pressehaus.

Wir befinden uns hier, stadthistorisch gesehen, an der Grenze der früheren Altstadt, dem ältesten der fünf sogenannten Weichbilde (Altstadt, Altewiek, Sack, Hagen, Neustadt) mit Altstadtrathaus, Altstadtmarkt und Martinikirche, aus denen 1671, nach welfischer Inbesitznahme, das heutige Braunschweig entstand. Hier verlief früher ein Teil der alten Stadtmauer.

Die obligatorischen Grabungen vor Baubeginn brachten seinerzeit Licht ins 11. und 12. Jahrhundert. Archäologen wussten bisher wenig über dieses frühe Zeitalter der Stadtgeschichte, die offiziell 1031 beginnt.

Wo genau verlief einst die Grenze zwischen Altstadt im Süden und Neustadt im Norden? Ein Graben auf dem Gelände der früheren Öffentlichen Bücherei, etwas südlich der Langen Straße, zeigte es: Hier verlief die nördliche Grenze. Nur wenige Meter südlich wurden die Reste der ehemaligen Stadtbefestigung gefunden: die Fundamente einer wallartigen Aufschüttung mit dem Podest eines Befestigungsturms.

Zwischen Wall und Graben wurden außerdem Kellerreste aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Wie war dieser Ort seinerzeit bebaut? Darüber weiß man heute nichts. Die ältesten Pläne stammen aus dem 18. Jahrhundert. Experten gehen jedoch davon aus, dass hier am Nordrand der Altstadt die Oberschicht wohnte.

DAS NEUE BZV-MEDIENHAUS

Das Haus ist auf einem 3800 Quadratmeter großen Grundstück entstanden. Es wurde von dem Braunschweiger Architekturbüro O.M. Architekten um Rainer Ottinger entworfen. Investor ist die Firma Staake Investment.

Der Bau steht auf 140 Bohrpfählen. Baubeginn war Oktober 2011.

Das Gebäude hat einen trapezförmigen Grundriss und erstreckt sich auf einer Grundfläche von ca. 74 x 46 Meter. Es besteht aus ringförmig angeordneten Gebäudeflügeln mit einer Breite von 13,40 Metern. Der äußere Ring ist fünfgeschossig.Der innere Lichthof ist im Schnitt von der Geländeoberkante bis zum 3. Obergeschoss abgetreppt bebaut.

Nun leisten dort Journalisten in ihren Büros ihren Beitrag, um die aktuelle Stadtgeschichte Braunschweigs fortzuschreiben. Gemessen an der Haltbarkeit des Baumaterials wohl mindestens die kommenden 100 Jahre.

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