Beim Derby: Wurde Eintracht-Fan mit einer Pistole bedroht?

Braunschweig  Ein 21-Jähriger hat nach dem Skandal-Spiel im Stadion einen Zivilpolizisten angezeigt.

In Block 11 soll es zu dem Vorfall mit einer Waffe gekommen sein.

Foto: Archiv

In Block 11 soll es zu dem Vorfall mit einer Waffe gekommen sein. Foto: Archiv

Die Geschehnisse rund um das Fußball-Derby zwischen Eintracht II und Hannover 96 II am Dienstag werden immer facettenreicher und verworrener. Wie berichtet, gab es 121 Strafanzeigen gegen Fußball-Rowdys. Doch nun rückt plötzlich auch die Polizei in den Fokus der Ermittler. Ein Beamter in Zivil soll mehrere Eintracht-Fans in Block 11 mit einer Schusswaffe bedroht haben. Ein Fan (21) erstattete Anzeige.

Die Polizei bestätigt die Anzeige, will sich derzeit jedoch nicht weiter dazu äußern, unter Hinweis auf laufende Ermittlungen – auch nicht zur Frage, ob der Zivilbeamte im Dienst war oder nicht.

Was passierte in Block 11?

So soll sich der Vorfall in Block 11 nach übereinstimmenden Zeugenangaben abgespielt haben. Sven F. (Name der Redaktion bekannt) berichtet: „Ich habe gerade gemütlich meine Cola getrunken, als auf einmal viele Personen durch den Block 10/11 liefen. Alles soweit relativ friedlich. Aber dann hat ein Polizist in Zivil seine Pistole ohne ersichtlichen Grund gezogen und einem jungen Mann in den Schwitzkasten genommen, weil er über Sitze geklettert war, und hat ihm sogar die Pistole an den Kopf gehalten.“ Und dann: „Da waren überall Kinder und ich will mir gar nicht ausmalen, was hätte passieren können.“

Gegenüber unserer Zeitung bestätigte der 21-jährige Fan die Darstellung. „Das Spiel war gerade unterbrochen und es wurde im Block gepöbelt. Da wollte ich lieber einen Rückzieher machen, denn Gewalt kommt für mich nicht in Frage. Plötzlich wurde ich zu Boden gedrückt. Dann hielt mir ein Mann die Pistole an den Kopf und rief, dass er Polizist sei.“ Von anderen habe er später gehört, dass der Polizist die Waffe geschwenkt und auch andere Fans bedroht habe.“

Der 21-Jährige meint, dass die Gewalt gegen ihn unverhältnismäßig gewesen sei. „Ich bin relativ klein und schmächtig. Da hätte man mir nicht gleich die Pistole an den Kopf halten müssen.“

Wie darf man eine Waffe einsetzen?

Auf Anfrage erklärt dazu Rainer Raschke, Sprecher der Polizeidirektion: Die Anwendung von Schusswaffen sei im Gefahrenabwehr-Gesetz geregelt. Die Polizei sei danach befugt, „unmittelbarer Zwang“ gegen Personen auszuüben, zum Beispiel, um die Begehung eines Verbrechens zu verhindern. Die gleiche Regelung gelte, so Raschke, auch für Polizeibeamte in Zivil.

DAS SAGT DIE STADT

Oberbürgermeister Ulrich Markurth hat die Ereignisse rund um das Spiel als erschreckend und völlig inakzeptabel bezeichnet. „Ich finde es unerträglich, was der Öffentlichkeit hier zugemutet wird.“ Es sei nicht vermittelbar, dass ein Fußballspiel solche Begleiterscheinungen hat, die das öffentliche Leben beeinträchtigen und zu hohen Kosten führen.

Auch der Polizei, der er für ihren Einsatz danke, sei es nicht zumutbar, regelmäßig den Belastungen solcher Einsätze ausgesetzt zu sein. Es sei richtig, jetzt genau aufzuklären, die Unruhestifter konsequent zur Verantwortung zu ziehen, und nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, den Zugang für Krawallmacher in die Stadien noch besser zu kontrollieren.

Er unterstütze aber auch ausdrücklich Überlegungen des Innenministers, solche Spiele zur Not auch vor leeren Rängen stattfinden zu lassen. Das wäre bitter für die Vereine und die vielen echten Fans, die einfach ein schönes Sporterlebnis genießen wollten. Aber wenn Ereignisse wie am Dienstag anders nicht verhindert werden könnten, müsse das überlegt werden. Für Vereine, Faninitiativen und die Polizei sei es bei aller guter Vorbereitung und Präventionsarbeit nur sehr schwer möglich, so etwas ganz auszuschließen, wenn einzelne alles darauf anlegten, bewusst für Unfrieden zu sorgen.

Ereignisse wie am Dienstag dem Ansehen der Vereine, ihrer Fans, der beteiligten Städte und des Sports allgemein großen Schaden zufügten. „Das finde ich traurig.“

KOMMENTAR

Fakten, bitte!

Was sind das für „Fans“? Sie nutzen die Fußball-Bühne, um ihre Räuber-und-Gendarm-Spielchen zu treiben – auf Steuerzahlerkosten. Und die Polizei? Kann das Spiel allein auf Dauer nicht gewinnen. Man sollte den Spieß jetzt nicht umdrehen, wenn ein Zivilbeamter im Krawall-Block eine Waffe zog. Möglicherweise ja auch zu Recht? Wir wissen es nicht. Die Polizei äußert sich nicht, obwohl das Thema derzeit rauf und runter diskutiert wird. Sie sollte jetzt die Fakten auf den Tisch legen. So sind nun mal die Spielregeln.

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