121 Anzeigen gegen Hooligans nach Regionalliga-Derby

Braunschweig  Niedersachsen Innenminister Pistorius fordert nach Krawallen beim Derby „Geisterspiele“ ohne Publikum.

Sport? Am Rande des Viertliga-Spiels war die Stimmung aggressiv.

Sport? Am Rande des Viertliga-Spiels war die Stimmung aggressiv.

Das Krawall-Derby zwischen den zweiten Mannschaften von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 am Mittwoch hat ein Nachspiel für viele Hannoveraner Fans. Polizeiangaben zufolge gab es 121 Anzeigen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch, Beleidigung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Schwerere Verletzungen gab es nicht.

Im Ganzen waren 800 Polizisten im Einsatz. Ihnen gelang es, geplante Übergriffe der verfeindeten Fan-Gruppen zu vereiteln. Mit Empörung und Unverständnis reagierten viele Bürger und Fans auf den polizeilichen Aufwand für ein Regionalligaspiel. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius forderte nach den Vorkommnissen in Braunschweig neue Möglichkeiten, Kartenkontingente zu begrenzen oder sogar „Geisterspiele“ ohne Zuschauer stattfinden zu lassen. Ziel müsse es sein, allen Fans ein sicheres Stadionerlebnis zu ermöglichen. Er setze jedoch zunächst weiterhin auf den Dialog mit den Fans und die Stärkung der friedlichen Fankultur.

Forderungen, Randalierer an den Kosten der von ihnen verursachten Polizeieinsätze zu beteiligen, erteilte das Ministerium eine Absage. Es fehle an einer entsprechenden Regelung, sagte ein Sprecher des Innenministers.

Die Gewerkschaft der Niedersächsischen Polizei hatte noch am Mittwochabend erklärt, gegen solche Anti-Fans müsse nun rasch ermittelt und konsequent gehandelt werden. Es müssten spürbare Strafen auch von den Vereinen verhängt werden.

Eintracht Braunschweig distanzierte sich von den Begleiterscheinungen beim Regionalliga-Spiel. Sie seien nicht akzeptabel, sagte Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und kündigte an: In enger Abstimmung mit der Polizei werde man in den kommenden Tagen und Wochen alle Vorgänge auf dem Stadiongelände prüfen und anschließend die rechtlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen“. Das Spiel werde weitreichende Konsequenzen haben, so Voigt weiter. Diesbezüglich werde man in Absprache mit Hannover 96 das Innenministerium kontaktieren. „Es ist nicht hinzunehmen, dass eine Viertligabegegnung unter derartigen, völlig unverhältnismäßigen Bedingungen und mit den hiermit verbundenen immensen Kosten durchgeführt wird, nur weil Gewaltsuchende und Kriminelle ein solches Spiel als Plattform suchen.“

Hannover 96-Sprecher Alex Jacob sagte unserer Zeitung, man sei dabei, die Geschehnisse aufzuarbeiten. „Uns geht es darum, alle Gruppenbewegungen am Spieltag zu analysieren.“

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