Bewaffnet mit Würfel, Stift und Fantasie

Braunschweig  Elfen, Zwerge, Magier – Beim Gratisrollenspieltag im Jugendzentrum Mühle erhielten Besucher Einblicke in ein ungewöhnliches Hobby.

Sindus wuchs in den engen Gassen der Stadt Sturmklippe in der fantastischen Welt Caera auf. Als Waise lebte er von dem, was er von Marktständen und aus Taschen stibitzen konnte. So wurde er ein Dieb. Wie er gemeinsam mit tapferen Kriegern, klugen Magiern und einem brummeligen Zwerg in den Sumpf bei Westheim geraten ist, um der Bande des finsteren Räuberhauptmanns Belgor den Garaus zu machen, ist eine lange Geschichte...

Sindus ist nicht real. Er ist ein fiktiver Held in einer fiktiven Welt. Beim Gratisrollenspieltag bin ich für ein paar Stunden in seine Rolle geschlüpft. Mit einem halben Dutzend Mitspielern sitze ich an einem Tisch, auf dem Karten, Papier, Stifte und Würfel herumliegen.

Was für eine Geschichte wir erleben, was uns widerfährt, gibt Spielleiter Michel Kustak vor. Der 31-Jährige ist seit 18 Jahren leidenschaftlicher Rollenspieler. Gemeinsam mit Matthias Marienfeld organisiert er einmal im Monat das Spieletreffen „Brot und Spiele“.

„Ich möchte mein Hobby, Rollenspiele, Anfängern schmackhaft machen“, erklärt der Erzieher aus Didderse. Die Nachwuchswerbung ist also seine Mission. „Computerspiele werden immer beliebter. Das bedeutet häufig individuelles Spielen. Das gemeinsame Spielen am Tisch dagegen stärkt das soziale Miteinander.“

Gerade dem Rollenspiel schreibt er auch pädagogischen Wert zu: „Man kann sich ohne Risiko in ungewöhnlichen Situationen ausprobieren und dabei in andere Rollen hineinversetzen. Das steigert die Empathie und führt dazu, dass man sich seiner selbst umso bewusster wird.“

Zurück in den Sumpf bei Westheim. In meiner Vorstellung ist Sindus ein ziemlicher Aufschneider. Also behaupte ich: „Da ist eine Fährte im Schlamm. Folgt mir, damit kenne ich mich aus.“ Der Spielleiter lässt mich zur Probe einen 20-seitigen Würfel werfen – eine 1, das bestmögliche Resultat! Sindus findet tatsächlich Spuren im Matsch.

Meine Mitspieler Jakob, Linus und Katharina (alle 13) sind zum ersten Mal dabei. Die beiden Jungs reizt vor allem, „coole Helden mit tollen Fähigkeiten zu spielen“, wie Linus erklärt. Katharina wiederum mag „die Dialoge am Tisch, die andere Sprache“. Tatsächlich verlangt Jakob als Zwerg lauthals nach Bier, unser Krieger verkündet stolz, für die Göttin Helia zu streiten. Spaß macht es allen. Jakob, Linus und Katharina sind sicher, beim nächsten Mal wieder zum Treffen ins Jugendzentrum Mühle zu kommen. Michel Kustaks Mission war also erfolgreich.

Und Sindus? Der musste leider früher gehen. In den finsteren unterirdischen Verliesen des Oberschurken Belgor ergriff er eine günstige Gelegenheit, um sich mit den von dort geplünderten Wertsachen aus dem Staub zu machen. Seine Gefährten ließ er dabei im Stich. Aber was soll man auch erwarten von einem Dieb?

Fakten

Rollenspiele

Beim Rollenspiel schlüpft jeder Mitspieler in die Rolle eines Helden in einer fiktiven Welt. Gemeinsam wird eine Geschichte durchgespielt, die der Spielleiter erzählt und mit Leben füllt. Die Spieler reagieren auf die Vorgaben des Spielleiters, indem sie erzählen, was ihre Helden tun. Über Erfolg und Misserfolg beim Einsatz von Fähigkeiten und Talenten entscheiden Würfe mit verschiedenen Würfeln.

„Brot und Spiele“

Einmal im Monat, samstags um 14 Uhr, findet im Jugendzentrum Mühle, an der Neustadtmühle 3, das Treffen „Brot und Spiele“ statt, bei dem Besucher kostenlos Spiele ausprobieren können. Kontakt: brotundspielebs@t-online.de

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