Polizei startet Plakataktion gegen Taschendiebe

Braunschweig  Die Zahl der Taschendiebstähle in Braunschweig nimmt weiter zu. Die Polizei startet nun eine Plakataktion, um das Bewusstsein der Bürger zu wecken.

Plakativer Einsatz gegen Taschendiebe: Beamte der Braunschweiger Polizei präsentieren die Warnplakate gegen Taschendiebe.

Foto: Peter Sierigk

Plakativer Einsatz gegen Taschendiebe: Beamte der Braunschweiger Polizei präsentieren die Warnplakate gegen Taschendiebe. Foto: Peter Sierigk

Wenn Joachim Borchers über Taschendiebe spricht, klingt das nach einer Mischung aus emotionaler Erschütterung und verbaler Verneigung. Borchers ist Leiter der vier Mann starken Ermittlungsgruppe „Tasche“ bei der Polizei. 600 Fälle haben er und seine Kollegen 2012 zu den Akten genommen. Tendenz steigend. 100 000 Euro Schaden stehen dahinter – und bei nahezu jedem Opfer unendliches Unbehagen, weil der unbemerkte Griff in die Tasche auch immer ein schwerer Eingriff in die Intimsphäre ist.

Nur jede zehnte Tat konnte aufgeklärt werden – weil die Täter handwerklich so geschult sind, straff organisiert in Gruppen arbeiten und sich so unauffällig bewegen, dass sie nur selten verwertbare Spuren hinterlassen, wie Borchers sagt. Das macht den Kampf gegen die Rechtsbrecher mit den flinken Fingern so schwer. Selbst wenn ein Verdächtiger gefasst werde, müssten die Ermittler ihn oft ziehen lassen, weil er die Beute längst an Komplizen weitergegeben habe und ihm der Diebstahl kaum mehr nachzuweisen sei. Die Hintermänner seien ohnehin nicht zu greifen, sie säßen in Bulgarien oder Rumänien, schickten ihre Banden quer durch Europa auf Diebeszug.

Borchers erzählt die Geschichte von einer Frau, die in seinem Beisein in einem Geschäft Opfer von Taschendieben geworden ist, obwohl sie wusste, wer die Täterinnen sind. „Die Frau hat versucht, sich aus dem Sichtfeld der junge Mädchen zu entfernen. Aber die waren so geschickt, konnten ihr die Geldbörse aus der Tasche ziehen. Und obwohl wir gleich zugegriffen haben, lag das Portemonnaie schon zwölf Meter weiter unter einem Kleidungsstapel. Die eine stiehlt, die andere lässt die Beute verschwinden – das alles in Bruchteilen von Sekunden.“

Die Polizei will nun den Blick der Braunschweiger für dieses Problem schärfen. 1250 Plakate sollen demnächst in Geschäften, Cafés und Kneipen das Thema Taschendiebstahl allgegenwärtig in der Stadt machen. Entworfen haben sie die Beamten selbst. Neun Motive sind entstanden, so wie dieses: Ein Bild von einem ausgeräuberten Portemonnaie. Darunter steht: „Eigentlich wollte er nur 2 Euro gewechselt haben...“. Da läuft Kino im Kopf ab.

Die Botschaft kommt stets zeigefingerfrei daher, ist launig formuliert, aber ernst in der Aussage. „Ein solches Instrument zur Vorbeugung ist bislang beispiellos. Wir sind überzeugt, dass die Menschen wachsamer sind, wenn sie die Plakate immer wieder sehen“, sagt Polizeisprecher Joachim Grande. Cordula Müller, Chefin der Braunschweiger Polizei, fügt hinzu: „Jede nicht begangene Tat ist gerade in diesem schwierigen Feld wie eine aufgedeckte Tat.“

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