Berliner Platz soll künftig Willy-Brandt-Platz heißen

Braunschweig  Oberbürgermeister Gert Hoffmann hat am Donnerstag die Umbenennung des Platzes am Hauptbahnhof vorgeschlagen. Was halten Sie von der Idee? Stimmen Sie hier ab!

Der Berliner Platz am Hauptbahnhof könnte künftig Willy-Brandt-Platz heißen.

Der Berliner Platz am Hauptbahnhof könnte künftig Willy-Brandt-Platz heißen.

Der frühere Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt (1913 bis 1992) würde im nächsten Jahr 100 Jahre alt werden. Hoffmann hält gerade den Berliner Platz zur Würdigung Brandts für geeignet, weil der SPD-Politiker vor allem mit Berlin identifiziert werde. Von 1957 bis 1966 war Brandt regierender Bürgermeister mitten im Teilungsprozess der Stadt. In der Presseerklärung aus dem Braunschweiger Rathaus heißt es: Hoffmann, der selbst gebürtiger Berliner ist, meinte diese Teilumbenennung seiner Heimatstadt „zumuten“ zu können. Hoffmann sagte, er könne sich persönlich noch gut „an die charismatischen Reden Willy Brandts, insbesondere vor und nach dem Mauerbau erinnern“.

Der Berliner Platz direkt an der Bahnstrecke nach Berlin trage seinen Namen seit 1960, weil damit dereinst ein klares „deutschlandpolitisches Zeichen des Bekenntnisses“ zur geteilten Stadt ausgesendet werden sollte, so Hoffmann weiter. Das sei nun „zum Glück Geschichte“ und rechtfertige jetzt die Umbenennung. Die Gremien des Rates werden sich nun mit dem Vorschlag befassen müssen. Im nächsten Jahr sollen die neuen Straßenschilder enthüllt werden.

Applaus für den Vorstoß gab es am Donnerstag von der SPD, Vorbehalte dagegen äußerten Anlieger des Berliner Platzes, die von den Plänen überrascht worden sind.

SPD-Unterbezirksvorsitzender Christoph Bratmann meinte: „Das ist ein angemessener und würdiger Platz, um Willy Brandt die Reverenz zu erweisen. Zumal sich der Willy-Brandt-Platz gut in die Achse der Straßen und Plätzen einfügen würde, die nach politischen Persönlichkeiten benannt sind.“ Die SPD habe in der Vergangenheit wiederholt gefordert, dass Braunschweig wie andere Städte auch einen Willy-Brandt-Platz brauche. „Wie müssen jetzt das weitere Verfahren abstimmen, auch wie die Anwohner einzubinden sind und ob wirklich der Platz in seiner gesamten Ausdehnung umbenannt werden muss.“

Marc Uhde, Vorstand der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg, die ihren Hauptsitz am Berliner Platz hat, sagte dagegen: „Bei allem Respekt den Leistungen und Errungenschaften Willy Brandts gegenüber wüsste ich nicht, was er im Vergleich zu anderen Persönlichkeiten so Herausragendes in und für Braunschweig geleistet hat, dass man gleich einen zentralen Platz der Stadt nach ihm benennen muss?“ Er sorge sich, weil man mit der geplanten Namensgebung allen nicht sozialdemokratisch orientierten Menschen gebenenfalls gegen das Schienbein trete. „Und wenn ich die letzten Jahrzehnte als Maßstab nehme, hat die Mehrheit der Wähler sich immer für andere Parteien als diejenige von Willy Brandt entschieden“, meint Uhde.

Er halte es für angemessener, wenn Straßenbezeichnungen einen Bezug zu Persönlichkeiten und Unternehmen der Stadt herstellten. „Dafür gibt es in vielen Stadtteilen exzellente Beispiele. Eine Umbenennung des Berliner Platzes in ,Am BraWoPark‘ wäre angesichts der dortigen Bauvorhaben sicher treffender und für die Orientierung von Besuchern deutlich hilfreicher“, meinte Uhde. Seine Bank investiert in den nächsten drei Jahren am Bahnhof 110 Millionen Euro in ein Büro- und Fachmarktzentrum.

Mario Sorrentino, Direktor des Hotels Atrium-Mercure erklärte: „Willy Brandt ist schon lange nicht mehr aktuell, deshalb kommt das jetzt ein bisschen überraschend. Auf uns kämen hohe Kosten zu, wir müssten mit unseren Partnern und Gästen kommunizieren und neues Druckmaterial erstellen. An so etwas denkt wieder keiner.“

Marion Becker vom Jobcenter, das seine Büros im Brawo-Park hat, sagte: „Es handelt sich um eine politische Entscheidung des Rates der Stadt, an die wir selbstverständlich wie alle Anwohner des Platzes gebunden sind. Vordruck und Flyer des Jobcenters müssten natürlich geändert werden. Allerdings kann ich die Höhe der daraus resultierenden Aufwendungen leider nicht in der Kürze der Zeit beziffern.“

Auch die Bahn AG hatte erst Donnerstag von der Idee des Oberbürgermeisters erfahren. Eine Sprecherin sagte, das Unternehmen wolle sich vor einer Stellungnahme erst mit den Einzelheiten vertraut machen.

Wie Stadtsprecher Adrian Fotizik mitteilte, werden sich im Falle einer Umbenennung vier größere gewerbliche Eigentümer sowie 90 private Eigentümer von Wohnungen an eine neue Adresse gewöhnen müssen. Sie sollen voraussichtlich Anfang des Jahres in einer Anhörung über die Absichten der Stadt informiert werden. Nicht betroffen ist das Ringcenter, weil der südliche Teil des Berliner Platzes seinen Namen behalten wird. Die politischen Beratungen werden am 12. Dezember in der Sitzung des Stadtbezirksrates Viewegs Garten-Bebelhof eröffnet.

Nicht erkennbar ist, welche engeren Beziehungen Brandt zu Braunschweig unterhielt. Bekannt ist einzig ein Wahlkampfauftritt Brandts in der Stadt vor der Bundestagswahl 1969.

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