Eintracht erhält eine Fan-Hochschule

Braunschweig  Das Eintracht-Stadion ist seit Mittwoch zwölfter Standort des bundesweiten Projekts Fan-Hochschule - dort werden sich Jugendliche mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen.

Von links: Soeren Oliver Voigt, Melanie Schuster, Karsten König, Ulrike Müller-Siebert, Torsten Lieberknecht, Marc Arnold.

Foto: Henning Thobaben

Von links: Soeren Oliver Voigt, Melanie Schuster, Karsten König, Ulrike Müller-Siebert, Torsten Lieberknecht, Marc Arnold. Foto: Henning Thobaben

Diskriminierung, Gewalt oder Rassismus sind Erscheinungen, die in der Gesellschaft und speziell im Stadion erlebbar sind. Im Zuge des Projekts Fanhochschule diskutieren Schülergruppen der Klassenstufen 7 bis 10 diese Phänomene just an diesem Ort. Die Fußballarena wird so zum Platz, an dem soziale Kompetenzen gestärkt werden.

Braunschweig ist der zwölfte Standort für das 2009 von der Robert-Bosch-Stiftung initiierte und zusammen mit der Bundesliga-Stiftung durchgeführte Projekt für Jugendliche aus überwiegend bildungsfernen Schichten. In Berlin, Bielefeld, Bochum, Bremen, Dortmund, Dresden, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Kaiserslautern/Saarbrücken, Nürnberg und Rostock wird es bereits praktiziert.

„Dort werden Jugendliche über Codes und Symbole von Rechtsradikalen aufgeklärt. Es finden Anti-Gewalt-Trainings statt, die Schüler lernen Stopp zu sagen. In Erzählcafés berichten Fußballspieler mit Migrationshintergrund über Integration“, nennt Melanie Schuster von der Robert-Bosch-Stiftung Inhalte.

Schüler absolvieren ein fünftägiges Trainingslager

„Fußball kann der Türöffner sein, um sich mit solchen Themen zu beschäftigen“, sagt Ulrike Müller-Siebert von der Bundesliga-Stiftung.

Das Ziel, Jugendliche an gesellschaftspolitische Themen heranzuführen, ist an allen Standorten gleich. Die praktische Umsetzung ist dagegen individuell unterschiedlich. Eintracht hat sich in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt als erster Verein dazu entschieden, die Heimspiele der Zweitliga-Fußballer regelmäßig in die Workshops mit einzubinden. „Das ist eine enorme Herausforderung“, sagt Fanprojekt-Leiter Karsten König.

So würden die Schüler in ein fünftägiges Trainingslager rund um das Eintracht-Stadion geschickt. An den ersten beiden Tagen seien Sozial- und Medienkompetenztraining sowie Erlebnispädagogik angesagt. Am dritten Tag seien die Jugendlichen beim Spiel dabei – in Gruppen begleiteten sie die Fans, die Polizei oder Angestellte des Vereins. An den übrigen zwei Tagen werde das gesammelte Material zur Produktion eines Radiobeitrags verarbeitet.

„Wir haben Module in drei Schwierigkeitsstufen ausgearbeitet“, erklärt König. Schulen aus Braunschweig und der Region seien zwecks Beteiligung angeschrieben worden. Ab und zu solle auch ein Gymnasium zu Gast sein. „Für mich ist das ein ganz besonderes Projekt“, sagt König über die zunächst für fünf Jahre in Braunschweig geplante Fanhochschule. Es werde von den Stiftungen professionell begleitet.

„Eintracht Braunschweig versteht sich als Teil der Stadt und der Region. Soziale Verantwortung heißt nicht nur, alle 14 Tage ein Heimspiel auszutragen“, erklärt Eintracht-Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. Beginn des Projekts ist am 26. November unter Einbeziehung des Spiels gegen den FC St. Pauli.

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