Das Stimmwunder von James Bond

Braunschweig  Schauspieler Dietmar Wunder ist die deutsche Stimme von Daniel Craig. Der 46-Jährige kam zu einer Lesung mit Krimiautor Don Winslow nach Braunschweig.

Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von Bond-Darsteller Daniel Craig, schaute sich in Braunschweig noch einmal „Skyfall“ an.

Foto: Peter Sierigk

Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von Bond-Darsteller Daniel Craig, schaute sich in Braunschweig noch einmal „Skyfall“ an. Foto: Peter Sierigk

Faszinierend. Der Mann spricht wie James Bond, sieht aber nicht so aus. „Säße Ihnen jetzt Daniel Craig gegenüber, sähe der zwar aus wie James Bond, benähme sich aber nicht so. Der ist nämlich anders, als man denkt und lacht ganz viel“, sagt Dietmar Wunder und lacht selbst ganz verschmitzt.

Der 46-Jährige ist seit drei Filmen die deutsche Stimme von 007. Ein außergewöhnlich fröhlicher Mensch, kommunikativ, höflich und durch und durch allürenfrei. Nach Braunschweig kam er zum Krimifestival, bei dem er den amerikanischen Bestsellerautor Don Winslow begleitete und aus dessen neuen Krimi „Kings of cool“ las.

Wunder ist Schauspieler, Synchronsprecher, Hörspielsprecher und Synchronregisseur. Neben Daniel Craig spricht er regelmäßig auch Adam Sandler sowie Cuba Gooding Jr. In der Serie „Ally McBeal“ lieh er Robert Downey Jr. seine Stimme. Er war verantwortlich für die Dialog-Regie bei „Avatar“ und erhielt für die Synchronregie der TV-Serie „Weeds“ 2008 den Deutschen Synchronpreis.

Stimmt es, dass Sie Bond-Darsteller Sean Connery schon als Kind inspirierte, Schauspieler zu werden?

In der Tat. Ich liebte es schon damals, in Rollen zu schlüpfen. Keine Flucht aus dem Alltag, aber die unbändige Neugier, sich in andere Welten hineinzudenken. Ich habe zwar zunächst eine Lehre als Optiker gemacht, aber abends auch zweimal die Woche Schauspielunterricht genommen. Dabei bin ich an Grenzgebiete gestoßen, habe eine neue, unbekannte Welt kennen gelernt. Man könnte sagen: Meine Schauspiellehrerin hat mich aus dem braven Leben herausgeholt.

Sie sprechen Daniel Craig ja nicht nur als James Bond, sondern etwa auch in dem amerikanischen Remake von Stieg Larssons „Verblendung“. Was genau macht den Unterschied bei Bonds Stimme aus?

Bond ist sehr minimalistisch, unaufwendig. Zurückgenommen, aber immer auf den Punkt. Er ist nie langweilig, aber sehr kultiviert. Ein toller Kontrast: Craigs etwas grobes Gesicht und sein feines, gepflegtes Oxford-Englisch.

Wie gehen Sie beim Synchronisieren vor?

Ich schaue mir das Original ganz genau an. Ich höre aufmerksam zu, schaue ihm in die Augen, fühle mich ein – und dann setze ich mich quasi auf die Figur. Ich versuche auch im Studio, die Bewegungen nachzumachen. Wenn der im Film seinen Mantel auszieht, ahme auch ich die Bewegung nach. Dabei muss ich glaubhaft bleiben im Stimmvolumen. Am Ende soll der Zuschauer das Gefühl haben: Daniel Craig spricht deutsch.

Sie müssen sich stets in den Dienst eines anderen Schauspielers stellen. Dabei sind Sie doch selbst einer. Macht Ihnen das Probleme?

Manche Kollegen von mir fühlen sich tatsächlich manchmal eingeengt und unfrei. Mir aber hat’s bislang immer großen Spaß gemacht. Weil es eben nicht nur darum geht nachzusprechen, sondern auch nachzuspielen. Außerdem bekomme ich, seit ich Bond spreche, große Aufmerksamkeit. Auch wenn wir im Abspann selten auftauchen: Die Öffentlichkeit interessiert sich für unserer Job, und das ist großartig.

Obligatorische Frage: Haben Sie Daniel Craig schon kennen gelernt?

Natürlich würde ich ihn gerne kennen lernen. Aber noch hat es nicht geklappt. Stars wie er haben viele Termine, wie etwa bei der Deutschlandpremiere von Skyfall in Berlin. Da stehen wir Synchronsprecher natürlich nicht an erster Stelle.

Wie gefällt Ihnen „Skyfall“?

Der beste Bond von Craig. Mit wunderbaren Brüchen von Alt und Neu und Anpielungen an früher.

Sind Sie durch Bond verbrannt für andere Synchronjobs?

Ich habe das Glück, sehr unterschiedliche Schauspieler zu sprechen, da ist eine große Variabilität der Stimmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich Menschen eher als die Stimme von Adam Sandler, als die von Bond erkennen. Aber man muss natürlich als Synchronsprecher aufpassen, dass man nicht überpräsent wird. Sonst haben die Leute die Stimme schnell satt.

Was ist Ihr Job, wenn Sie als Synchronregisseur eingesetzt werden?

Ich muss auf deutsch inszenieren, was ein anderer schon in einer anderen Sprache inszeniert hat. Die Zuschauer sollen auf deutsch lachen und auf deutsch weinen. In den 80er Jahren hat der Ruf der Synchronarbeit sehr gelitten: Da hat man die Dialoge in amerikanischen Serien auch immer mit amerikanischen Melodiebögen gesprochen. Das klang unecht, gekünstelt. Als Synchronregisseur muss ich die Sprecher unter Umständen auch an die Gefühle ihrer Schauspieler heranführen. Tolle Sprecher aber erspüren das von ganz allein.

Die Rolle des James Bond ist derzeit schon vergeben. Was aber, wenn man Ihnen ein tolles Angebot als Schauspieler machte?

Dann würde ich natürlich sofort annehmen.

Sie sind derzeit mit Don Winslow auf einer kleinen Lese-Reise. Wie kamen Sie zusammen?

Das war vor etwa zweieinhalb Jahren auf einer Lesereise zu „Tage der Toten“. Ich habe ihn auf Anhieb ins Herz geschlossen. Und seine Sprache in den Büchern ist einfach wunderbar und außergewöhnlich: so rhythmisch, so inszeniert. Es ist ein Vergnügen, das zu sprechen. So als könnte ich den Text spielen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Captcha
Leserkommentare (3)
    Weitere Artikel aus diesem Ressort