Spanischer Anwalt sucht 8,9-Millionen-Euro-Erben

Braunschweig  Die Mafia wäscht immer mehr schmutziges Geld in Deutschland. Auch in Braunschweig werden dafür Finanzagenten geworben.

„Gewaschene“ Euro-Scheine in einer Waschmaschine.

Foto: dpa

„Gewaschene“ Euro-Scheine in einer Waschmaschine. Foto: dpa

Bundesweit gingen im vergangenen Jahr 12 968 Anzeigen wegen des Verdachts auf Geldwäsche ein. Im Vergleich zum Vorjahr (11 042 Fälle) war das eine Steigerung um 17 Prozent. Das Gesamtvolumen der in Deutschland im Jahr 2011 gewaschenen Gelder wird auf mehr als 10 Milliarden Euro geschätzt. Entsprechende Zahlen für Braunschweig liegen nicht vor, doch dürfte der Trend ähnlich sein, so Experten.

So gehen Geldwäscher vor

Einer, der als Finanzagent geworben werden sollte, ist Lothar Gille (Näme geändert). Er erhielt jetzt ein merkwürdiges Schreiben eines spanischen Rechtsanwaltes namens Carlos Ramos Gutierrez, Madrid, der Gille folgende Geschichte auftischt, in gebrochenem Deutsch: Er, Gutierrez, habe mit einem gewissen David Gille zusammengearbeitet, einem Kunden seiner Bank. Und dieser Gille sei jetzt bei einem Tsunami ums Leben gekommen, weshalb man Nachkommen suche, wegen des Erbes. 8,9 Millionen Euro habe er auf einem Bankkonto hinterlassen. Wegen der großen Dringlichkeit hätten er und seine Kollegen sich entschlossen, dieses Geld unter sich aufzuteilen: 40 Prozent für ihn, Gille, 30 Prozent für die Rechtsanwaltskollegen und 30 Prozent für ihn, Gutierrez, der warnt: Andernfalls werde das Geld nach zwölf Jahren in das Eigentum der Bank übergehen – und die Direktoren würden es unter sich aufteilen... Gille solle sich deshalb umgehend melden, um die weiteren Details zu klären.

Was die Polizei sagt

Solche Schreiben seien vermehrt im Umlauf, warnt Polizei-Sprecher Wolfgang Klages, der vermutet: „Der Einzige, der hier was erbt, ist der Verfasser des Briefes.“ Die Story von der Erbschaft sei frei erfunden. Tatsächlich gehe es darum, dass jemand in Deutschland sein Konto zur Verfügung stellt – um schmutziges Geld, das aus Straftaten stammt, zu „waschen“.

Der „Anwalt“ setze dabei auf die Habgier der Empfänger. Tatsächlich sei es so, dass der Kontoinhaber nach den Transaktionen auch wirklich eine gewisse Summe auf seinem Konto behalte. Dadurch werde er zum Mittäter.

Darum ist Geldwäsche strafbar

Seit 1993 ist Geldwäsche in Deutschland strafbar. § 261 Strafgesetzbuch besagt: „Wer einen Gegenstand, der aus einer rechtswidrigen Tat herrührt, verbirgt, dessen Herkunft verschleiert oder die Ermittlung der Herkunft, das Auffinden, den Verfall, die Einziehung oder die Sicherstellung vereitelt oder gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

Grund ist vor allem der entstehende volkswirtschaftliche Schaden: Er entsteht durch die Beeinträchtigung des Wettbewerbs, da Personen mit Erlösen aus gewaschenem Geld finanziell stärker sind als ihre Konkurrenten, die die Erlöse am regulären Markt erwirtschaften müssen.

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