Polizei: Überfall auf Reisebank war vorgetäuscht

Braunschweig  Die Polizei hat den bewaffneten Raubüberfall vom 12. Juni auf eine Reisebank in der Sonnenstraße aufgeklärt.

Mit diesem Bild der Überwachungskamera fahndete die Polizei nach dem vermeintlichen maskierten Räuber.

Foto: Polizei

Mit diesem Bild der Überwachungskamera fahndete die Polizei nach dem vermeintlichen maskierten Räuber. Foto: Polizei

Nach ihren Erkenntnissen war der Überfall, bei dem ein hoher sechsstelliger Betrag erbeutet wurde, vorgetäuscht. Fünf Personen waren daran beteiligt. Polizeiangaben zufolge handelt es sich bei den Haupttätern um zwei 23 und 21 Jahre alte Männer, die mit dem Kassierer der Bank (29) gemeinsame Sache gemacht haben. Die aus vielen, teils exotischen Fremdwährungen bestehende Beute sollte anschließend von zwei 29 und 30 Jahre alten Mittätern gegen Euro eingetauscht werden. Alle vier am Raub Beteiligten arbeiten als Kollegen im gleichen Unternehmen.

Die erste, falsche Tatversion

Und so sollte sich der Überfall nach der Schilderung des vermeintlichen Opfers abgespielt haben: Als der Kassierer um 8.30 Uhr die Bank aufschließt, wird er angeblich von hinten in die Schalterhalle gedrängt und von einem Maskierten mit schwarzer Lockenperücke gezwungen, die Tresore zu öffnen, mit den Worten „dawei, dawei“. Anschließend habe man ihn gefesselt und in eine Toilette gesperrt. Eine Nachbarin hörte später die Hilferufe. Das „Opfer“ ließ sich mit einem „schweren Schock“ in ein Krankenhaus bringen. Der Täter entkam unerkannt in Richtung Scharrnstraße.

So verliefen die Ermittlungen

Die polizeilichen Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf die seltenen südostasiatischen Fremdwährungen (Malaysia, Fidschi-Inseln). Banken wurden zur Mithilfe aufgerufen.

•Am 14. September schnappt die Falle zu. Ausgerechnet in der zuvor überfallenen Bank in der Sonnenstraße fällt einem Angestellten auf, dass innerhalb von zehn Minuten zwei Männer mit verdächtigen Währungen auftauchen und diese umtauschen wollen. In einem Fall handelte es sich exakt um den geraubten Betrag.

Der Angestellte habe fix reagiert und sich die Ausweise zeigen lassen, wegen angeblicher Bestimmungen des Geldwäschegesetzes, berichtet Jörg Pape, Leiter des ermittelnden Fachkommissariats 2. Bei der Vernehmung hätten die Beiden dann angegeben, das Geld gefunden zu haben, so Polizeisprecher Joachim Grande, dann jedoch eingeräumt: Ein Arbeitskollege habe ihnen das Geld zum Umtauschen gegeben. Die Abmachung: Die Hälfte des Geldes sollten sie behalten können.

Die weiteren Ermittlungen machten die Polizei dann hellhörig: Im Bekanntenkreis der beiden Umtauscher habe sich auch der Kassierer der Reisebank „getummelt“! Eine Auswertung der Handy-Telefonate ergab: Noch wenige Minuten vor der Tat hatte der Kassierer mehrmals mit einem Unbekannten telefoniert – mit dem Räuber, wie sich herausstellte!

Der Kassierer hat inzwischen ein Geständnis abgelegt. Er sei zu der Tat erpresst worden. Das allerdings, so Joachim Grande, habe ihm die Polizei inzwischen eindeutig widerlegen können.

Das passierte nach dem „Überfall

Durch ein Fenster entkam der 23-Jährige mit der schweren Geldtasche in einen Hinterhof, wo er die Tasche über eine Mauer wuchtete und hinterher kletterte. Grande: „Dabei stolperte er so unglücklich über die Tasche, dass er sich beide Arme brach.“ Die Flucht schien zu Ende. Was tun? Denn ein gutes Stück weiter wartete ein Mittäter (21) in einem Fluchtauto.

Die rettende Idee: Mit einem herumstehenden Einkaufswagen rollert der 23-Jährige, immer noch maskiert, die Tasche zum Fluchtauto.

Was passierte mit der Beute?

Die Polizei konnte inzwischen einen Teil der Beute sicherstellen. Der 23-Jährige, ein Autonarr, hatte sich einen Sportwagen für 50 000 Euro zugelegt und zuvor einen Ferrari und einen Lamborghini geleast. 14 000 Euro waren auf dem Balkon versteckt, 4800 Euro in der Küche: in einem Teebeutelspender.

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