Mit 30 Plätzen das wohl kleinste Theater der Stadt

Braunschweig  Thomas Hirche will im KULT am Hagenmarkt professionellen Kleinkünstlern und sich selbst eine Bühne bieten.

Thomas Hirche: Theaterdirektor, Künstlerbetreuer, Techniker, Werbemanager, Spieler, Kartenabreißer und Putzmann in einer Person.

Foto: Peter Sierigk

Thomas Hirche: Theaterdirektor, Künstlerbetreuer, Techniker, Werbemanager, Spieler, Kartenabreißer und Putzmann in einer Person. Foto: Peter Sierigk

Alles da, was das Herz begehrt: Bühne, Stühle, Künstlergarderobe… Sogar eine Sektbar. Und ein Kühlschrank. Im KULT am Hagenmarkt, Braunschweigs wohl kleinstem Theater, ist’s ein bisschen übersichtlicher als anderswo. Insgesamt 80 Quadratmeter, davon 50 für die Aufführungen.

KULT: das steht für KleinkunstUnterhaltungsLiteraturTheater. „Keine Experimentierbühne zum Ausprobieren, sondern ein Theater für etablierte Kleinkünstler!“, betont Thomas Hirche. Der 45-Jährige ist Direktor, Künstlerbetreuer, Techniker, Werbemanager, Spieler, Kartenabreißer und Putzmann in einer Person.

Hirche ist spartanische Verhältnisse gewohnt. Ein Minimalist. Spielt gerne auch mal aus dem Koffer. Im vergangenen Jahr berichteten wir über sein „Theater für Einzelgänger“ – drei Minuten Aufführung für einen einzigen Zuschauer. Hirche macht seit fast drei Dekaden Theater. Hat unter anderem beim Peiner Gewerkschaftskabarett „Querköppe“ gespielt und bei den Wolfsburger „Culturfreaks“. Früher war er mal Schlosser und von 1999 bis 2009 auch Sucht- und Drogenberater in Goslar. Ein Mann also, der ein bisschen was vom Leben versteht.

Unter dem Namen „Me, myself and I“ führt er auch Papiertheater für 15 Personen auf oder präsentiert sich als Walk Act auf einem Einrad.

Nun also ist er Theaterdirektor. Empfängt jeden seiner Gäste in der kleinen Wohnung neben der Apotheke am Hagenmarkt persönlich. In Zylinder und Gehrock.

Die Stühle – ungefähr 30 passen rein – sind zusammengeklaubt von Flohmärkten oder mitgenommen vom Straßenrand vor der Sperrmüllabholung, „Ommastühle“, sagt Hirche grinsend. Alles ganz liebevoll gemacht. Die Eingangstür des Spielraumes säumt ein schmuckes Girlandenornament, filigran ausgeschnitten aus einer Tapete. Ein surrealistischer Dali ziert die Decke der Toilette. Unisex, nicht getrennt für Männlein und Weiblein. So viel Platz gibt das Theater nicht her. Und an den Decken baumeln Kristallleuchter. „Die hab ich von der Spende einer Freundin gekauft“, sagt Hirche. Die Lüster heißen nun Angela, nach der edlen Spenderin.

„Ich möchte eigene Stücke aufführen, darstellenden Künstlern ein Auftrittsforum bieten, ein Proberaum für Theaterprojekte bereitstellen und außerdem einen Raum für theaterrelevante Seminare anbieten“, erklärt Hirche. Um Fördergelder durch Steuermittel will Hirche nicht nachsuchen. „Ich versuche es erst mal ohne Anträge für städtische Zuschüsse“, betont er fast ein bisschen kämpferisch. Nein, viel verdienen lasse sich mit dem KULT sicher nicht. Eine feste Gage für Künstler wird’s nicht geben. „Risikoteilung: Sie werden prozentual an den Einnahmen beteiligt.“

Hirche ist ein bisschen stolz, dass er an historischem Ort spielen wird. „Früher existierte hier am Hagenmarkt das Opernhaus in Braunschweig – von 1690 bis zu seiner Schließung 1861. 1772 wurde dort Lessings Emilia Galotti und 1829 Goethes Faust uraufgeführt.“

Im KULT gibt’s schon einen Jour Fixe: An jedem ersten Freitag im Monat, 20.30 Uhr, steht „Tasten in der Finsternis“ auf dem Programm. An den Tasten: Sven Waida. Der Pianist im Dunkeln jazzig improvisieren.

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