Rodungsarbeiten mussten nach Protesten erneut gestoppt werden

Polizei ließ Harvester aus Sicherheitsgründen abziehen – Nabu: Hätten Unterstützung früher gebrauchen können

Rund 200 Menschen folgten am Samstag dem Aufruf der Bürgerinitiative Flughafen "zum Spaziergang im Querumer Forst unter dem Motto Abschied vom Wald". Aus Sicherheitsgründen verfügte die Polizei für diesen Tag den Abbruch der Rodungsarbeiten.

Den Aufruf zum Waldspaziergang hatten auch Ratsfraktion und Kreisverband der Grünen, die Bibs und der Naturschutzbund unterstützt.

Vielfach mit Kind und Kegel hatte sich der Demonstrationszug zur notdürftig mit Flatterband gekennzeichneten Rodungsstelle aufgemacht und scheute auch nicht, unwegsames Gelände und gefällte Bäume zu überwinden.

Einige Teilnehmer machten ihrem Unmut mit Bannern wie "VW killt 60 000 Bäume für Prestigeobjekt" oder durch Luftballons mit der Aufschrift "Baumkronen anstatt Betonköpfe" Luft.

"Die Menschen sollen einen Eindruck vom Ausmaß der Baumfällarbeiten bekommen", erklärte Grünen-Ratsherr Frank Gundel. Sein Eindruck: "Die Betroffenheit der Bürger setzt erst jetzt ein, da Bauarbeiten und Diskussion um die Umgehungsstraße begonnen haben."

Protestierende haben immer noch Hoffnung

Nabu-Vorsitzender Carlo Fuchs beklagte, dass der öffentliche Protest in diesem Ausmaß erst jetzt beginne. "Wir hätten die Unterstützung der Bevölkerung gebrauchen können, als die Sache noch offen war." Dennoch gibt Fuchs die Hoffnung nicht auf: "Noch ist die Startbahn nicht verlängert, noch ist alles möglich."

Bibs-Ratsherr Peter Rosenbaum zeigte sich gewohnt kämpferisch: "Der Wald wird verteidigt!", rief er der Menschengruppe im Wald zu und betonte, es müsse Druck auf VW, den Nutznießer der Startbahnerweiterung, ausgeübt werden. "Die Bürgermeister von Braunschweig und Wolfsburg machen schließlich, was VW will."

Bernhard Piest von der Bürgerinitiative Kralenriede appellierte an die Landeskirche: "Wie erwarten, dass sie einen ethischen Bewertungsprozess durchführt." Wie solle sie ihren Schülern erklären, dass die Kirche sich für den Erhalt des Regenwaldes einsetze, nicht aber für den Querumer Forst?, fragte auch Heiderose Wanzelius (Bibs).

Die Bürgerinitiative Baumschutz hatte fünf Thesen an die evangelisch-lutherische Landeskirche gerichtet. Darunter die Frage: "Soll ein aus kirchennahen Gütern hingegebener Wald für eine zeitlich begrenzte technische Nutzung derart gravierend beschädigt werden?"

Die Teilnehmer des Spaziergangs jedenfalls werteten es als Erfolg, dass die Harvester erneut ihre Arbeit einstellen mussten. Polizeisprecher Joachim Grande: "Wir haben aus Verhältnismäßigkeitsgründen entschieden, dass die Arbeiten abgebrochen werden, um die Sicherheit der Demonstrierenden nicht zu gefährden." Das müsse allerdings nicht heißen, dass das auch beim nächsten Mal so sei.

Für die Polizei sei es eine Gratwanderung: Einerseits müsse sie derartige angemeldete Versammlungen schützen, andererseits sei sie verpflichtet, die rechtmäßigen Baumfäll-Arbeiten zu gewährleisten. "Die Kollegen haben Verständnis für das berechtigte Anliegen der Bürger, doch sie haben auch die Rechte der Betreiber zu wahren."

Polizei will Einvernehmen mit den Demonstranten

Die Polizei sei bemüht, die Sache einvernehmlich und kooperativ über die Bühne zu bringen, so Grande. "Aber wir lassen es nicht soweit kommen, dass einzelne durch gezielte Provokationen versuchen, die Polizei zu anderen Eingriffsmaßnahmen zu zwingen."

Am Sonntag ruhten die Bauarbeiten planmäßig; ab heute sind wieder täglich um 15 Uhr weitere Waldspaziergänge geplant.

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