Forschungsstandort retten, bevor es zu spät ist

TU-Experten diskutierten beim Treffen der Bauschaffenden über Zukunft der Stadt als Uni-Sitz mit gutem Ruf

Ist Braunschweig noch ein guter Forschungsstandort? Hin und hergerissen zwischen stetigen Kassandrameldungen wegen der mehr als misslichen Finanzlage des Landes und Eigenbekundungen eines notwendigen regionalen Selbstbewusstseins diskutierten gestern beim 11. Treffen der Bauschaffen in der Dornse Experten der TU Braunschweig über den Qualitätsstandard der Universität.

Eingeladen hatte die Regionalgruppe des Bundes deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure. Sie hatte sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach mit weit gefächerten Themen der Stadtentwicklung auseinandergesetzt.

Die Professoren der TU nahmen kein Blatt vor den Mund. "Wir sind als Forschungsstandort in unserer Existenz mehr als bedroht", stellte Prof. Eckehard Schnieder vom Institut für Verkehrssicherheit fest. "Und zwar nicht nur durch die aktuellen dramatischen Einsparungen, sondern durch die Summe millimeterfeiner Schnitte im Laufe der vergangenen 20 Jahre. Die Substanz der TU gehe langsam den Bach herunter, verdeutlichte er.

Prof. Dietmar Hosser, Dekan im Bauingenieurwesen, griff die Formulierung "guter Forschungsstandort" auf: "Noch sind wir gut, aber wir wissen nicht, wie lange diese Qualität noch anhält." Wenn man den schleichenden Erosionsprozess nicht aufhalten könne, würde die TU "von einer langsam sich bergab bewegenden Welle" ergriffen. "Diese Abwärtswelle müssen wir unbedingt zum jetzigen Zeitpunkt stoppen, bevor es zu spät ist."

Einen Lösungsvorschlag – der sich allerdings momentan nicht abzeichnet – zählte Prof. Henning Hopf, Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker, auf: "Die Universitäten müssen sich wegen der Vorgaben der Regierung zu sehr mit sich selbst beschäftigen. Was wir brauchen, ist nach amerikanischem Vorbild mehr Autonomie der Unis und weniger Gängelung durch die Politik." Hopf nutzte die Chance zur Provokation: "Die Frage ist doch: Brauchen wir eigentlich wirklich einen Wissenschaftsminister?"

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