Münchner Gericht verbietet Wolters Oktoberbier

Braunschweiger Traditionsbrauerei darf den Namen nicht mehr verwenden

Münchner Richter haben dem Braunschweiger Oktoberbier den Garaus gemacht. Das Hofbrauhaus Wolters musste einem vom Gericht vorgelegten Vergleich zustimmen, um größeren finanziellen Schaden abzuwenden, sagt Wolters-Geschäftsführer Peter Lehna.

Die Richter hätten unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie das Braunschweiger Brauhaus verurteilen würden, wenn es dem Vergleich nicht zustimme. Im Falle der Ablehnung des Vergleichs wären Schadenersatzzahlungen in nicht kalkulierbarer Höhe auf Wolters zugekommen, weiß Lehna. Geklagt hatte der Verein Münchner Brauereien, der sein Oktoberfestbier – ein als Kollektivmarke geschützter Name – durch das Braunschweiger Oktoberbier gefährdet sah.

Außerdem hätten die Münchner Brauer vor Gericht angeführt, dass mit dem Namen Oktoberbier der Ruf des Oktoberfestes ausgebeutet werde, die Braunschweiger quasi als Trittbrettfahrer den Weltruf der Münchner Traditionsveranstaltung für sich okkupierten und damit das bayrische Gebräu.

Für Lehna aus zwei Gründen völlig abwegig:

Der Gesamtabsatz des Braunschweiger Oktoberbiers pro Herbstsaison erreicht mal gerade die Ausschankmenge eines Bierzeltes auf dem Oktoberfest an zwei Tagen. Von einer ernsthaften Gefährdung des Oktoberfestbiere zu reden sei lächerlich.

Das Münchner Oktoberfest habe sicherlich einen hohen Unterhaltungswert, doch wegen der vielen Auswüchse infolge von Alkoholmissbrauch werde es von Wolters nicht als positiver Imageträger gesehen, so Lehna.

Dass die Bayern das Braunschweiger Oktoberbier nach 13 Jahren plötzlich als Bedrohung ausmachten, könnte aus Sicht der Braunschweiger ganz andere Hintergründe haben: Zum Verein Münchner Brauereien gehören Spaten, Franziskaner und Löwenbräu, die zum belgisch-brasilianischen Inbev-Konzern gehören – jenem Konzern, der bei Wolters 2006 die Lichter ausgehen lassen wollte.

Schriftliche Beweisunterlagen, mit denen Wolters die 13 Jahre währende Duldung des Namens Oktoberbier hätte nachweisen können, liegen den Braunschweiger nicht vor, versichert Lehna. "Die schriftlichen Beweisunterlagen wurden der Hofbrauhaus Wolters GmbH bei Übernahme der Brauerei im Jahr 2006 von Inbev nicht übergeben", erklärt der Wolters-Geschäftsführer.

Ein bisschen stolz sind die Braunschweiger Brauer schon, dass die Münchner ihr ehemaliges Oktoberbier so fürchten, dass sie einen inzwischen jahrelangen Rechtsstreit anzettelten.

Auf die Herbstspezialität müssen die Oktober-Bier-Fans indes nicht verzichten. Unter neuem Namen soll es die Münchner von Oktober an weiter das Fürchten lehren. Wie das Bier dann heißen wird, das ist noch offen. Lehna: "Unsere Fans werden in Kürze dazu aufgerufen, Namensvorschläge einzureichen und so selber zu bestimmen, wie ihr Bier heißt."

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