Die Angst vor Katzenfängern geht um

Braunschweigerin fürchtet, dass Altkleidersammler in Lamme die Tiere verschwinden lassen

Lena Tetzlaff schiebt seit einigen Nächten in Lamme Wache: Sie hat Angst, dass in der Dunkelheit Katzenfänger unterwegs sind.   

Foto: Peter Sierigk

Lena Tetzlaff schiebt seit einigen Nächten in Lamme Wache: Sie hat Angst, dass in der Dunkelheit Katzenfänger unterwegs sind.    Foto: Peter Sierigk

Lena Tetzlaff macht sich Sorgen. Seit einigen Nächten schon schiebt sie Wache in Lamme, fährt die Straßen ab, hält die Augen offen. Die 21-Jährige ist aufgeschreckt durch die Meldung, dass in Heere bei Salzgitter seit Anfang Mai 22 Katzen verschwunden sind. Die Angst geht um vor Katzenfängern.

Die Betroffenen und die Polizei in Salzgitter tappen im Dunkeln. Doch Lena Tetzlaff hat einen Verdacht und sieht einen Zusammenhang: "Die Katzen sind verschwunden, nachdem es in Heere eine Schuh- und Altkleidersammlung gab", sagt sie. Genau so eine Kleidersammlung, wie sie derzeit in Lamme läuft.

Sind hier Tierfänger am Werk, die unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe arbeiten? Sind es Trittbrettfahrer, die den Verdacht auf die Kleidersammler lenken wollen? Oder ist das Ganze gar ein Großstadtmärchen, das hartnäckig immer weitererzählt wird und Angst schürt?

Im Internet gibt es zu diesem Thema etliche Einträge. Der Tierschutzverein Hessisch-Lichtenau und Umgebung etwa schreibt auf seiner Homepage: "In der letzten Zeit häufen sich die Vermutungen, dass Altkleidersammlungen mit dem plötzlichen Verschwinden von Katzen zusammenhängen. Es handelt sich um Sammlungen, wo kleine Plastikkörbe oder Tonnen vor der Haustüre stehen."

Gemeint seien ausdrücklich nicht die bekannten Kleidersammlungen der großen Organisationen wie Deutsches Rotes Kreuz oder Arbeiterwohlfahrt, sondern anonyme Sammler, die angeblich für den guten Zweck unterwegs seien.

Die Tierfreunde beschreiben das Vorgehen so: Die Körbe würden meist in Seitenstraßen, nie in Durchgangsstraßen aufgestellt. Die Straßen würden auf diesem Wege ausgekundschaftet.

Auf der Internetseite "Haustierdiebstähle in Deutschland" wird eine aktuelle Warnung für den Bereich Braunschweig/Peine ausgesprochen. Ganz konkret wird für die 20. bis 24. Kalenderwoche die Postleitzahl 38116 ausgewiesen, also auch Lehndorf und Lamme.

"Die Sammlungen werden genutzt, um sich in Einfahrten oder Straßen aufzuhalten, ohne direkt aufzufallen. Während dieser Zeit wird wahrscheinlich ausgespäht, wo Haustiere sitzen – an Fenstern oder in Vorgärten. In der Nacht wird die Straße mit einem Lieferwagen abgefahren und die Haustiere ebenfalls mit Lockstoffen angelockt. Sie werden eingefangen und betäubt", so Michael Herrentals auf der "Haustierdiebstahl"-Seite.

Doch sind Altkleidersammlung und Tierfänger tatsächlich eng miteinander verknüpft? "Nein, wahrscheinlich nicht alle", so Herrentals. Tierfänger nutzten jedoch die Altkleider-Sammelgebiete als Deckung für ihre Arbeit. "Sie fangen dort die Haustiere ein, die sie brauchen, und der Verdacht fällt auf die Altkleidersammler, die sauber sind."

Lena Tetzlaff hat in Lamme vorbeugend bereits etliche Körbe eingesammelt. Sie stammen – so die Hinweisschilder auf dem Boden der Körbe – vom "Club für Behinderte in Brasilien e.V.". Unter der angegebenen Handy-Nummer jedoch sei, so Lena Tetzlaff, nie jemand zu erreichen. Das macht sie stutzig. Eine Telefonnummer auf der Internet-Seite des Vereins sei sogar gänzlich stillgelegt. Erfahrungen, die auch die BZ machte.

Vorsitzender des Vereins ist Michael Erich Lickar. Die BZ entdeckte dessen Handynummer im Internet in einem anderen Zusammenhang. "Das hat wirklich alles seine Ordnung", erklärte er auf Anfrage. "Wir sammeln keine Katzen, sondern Kleider."

Seit fast fünf Jahren wehre sich der Verein entschieden gegen die Verdächtigungen, "doch ohne Erfolg". Der Verein habe inzwischen die Art seiner Behälter umgestellt – von Tonnen mit Deckel auf offene Wäschekörbe. Auch seien die Mitarbeiter nicht mehr nach 20 Uhr auf den Straßen unterwegs. "Alles, was danach fährt, gehört nicht zu uns", so Lickar.

Tierschützer seien jederzeit eingeladen, die Sammelfahrzeuge zu inspizieren. "Weil wir aber trotz unserer Bemühungen nach wie vor diesen Verdächtigungen ausgesetzt sind, werde ich wohl auf einer der nächsten Vorstandssitzungen vorschlagen, die Sammlungen einzustellen."

Die Sammlungen erfolgten in Lizenz durch die Firma Ercan Handan Recycling Altkleidersammlungen. Alle Fahrer seien dem Verein bekannt, heißt es auf der Internet-Seite des Vereins (www.clubrazil.de).

"Mit den Lizenzgebühren sind wir in der Lage, Kliniken in Brasilien zu unterstützen und Rollstühle zu lagern und zu versenden", so Lickar.

Bereits im April hatte es eine Internet-Warnung vor Katzenfängern für das östliche Ringgebiet gegeben. Doch der Braunschweiger Tierschutz hat in den vergangenen Monaten keine Häufung von vermissten Katzen festgestellt.

Tierschutz-Mitarbeiter Gotthard Icks war nach einem entsprechenden Hinweis von Lena Tetzlaff von der Polizei gebeten worden, sich mal in der Lammer Heide umzuschauen. "Ich habe keine Hinweise darauf, dass tatsächlich Katzendiebe unterwegs sind." Doch Vorsicht sei immer geboten.

So sieht es auch Joachim Grande, Pressesprecher der Braunschweiger Polizei: "Es ist nie verkehrt, die Augen offen zu halten und bei verdächtigen Aktionen die Polizei zu informieren." Konkrete Hinweise zu Tierdiebstählen habe die Polizei in Braunschweig jedoch ebenfalls nicht.

Dennoch geht derzeit eine Sachbearbeiterin dem Verdacht von Lena Tetzlaff nach.

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