Warum ein Pilot sein Grundstück nicht für den Flughafen hergeben will

Henning Jenzen hält den Ausbau für ökologischen und ökonomischen Irrsinn und erteilt Baumfällern Hausverbot

Pilot Henning Jenzen steht auf seinem Ackerland an der Grasseler Straße. Er hat das Protestschild aufgestellt und will sein Grundstück weder für den Flughafenausbau noch für das Befahren durch Baufahrzeuge zur Verfügung stellen.

Foto: Rudolf Flentje

Pilot Henning Jenzen steht auf seinem Ackerland an der Grasseler Straße. Er hat das Protestschild aufgestellt und will sein Grundstück weder für den Flughafenausbau noch für das Befahren durch Baufahrzeuge zur Verfügung stellen. Foto: Rudolf Flentje

Als Flugkapitän eines Touristikunternehmens weiß Henning Jenzen, wie Flughäfen funktionieren und was Piloten benötigen. Um so weniger kann er den geplanten Ausbau des Flughafens Waggum nachvollziehen. Sein Grundstück wird er nicht freiwillig hergeben.

Wenn die Flughafengesellschaft davon spricht, alle für die Landebahnverlängerung erforderlichen Grundstücke seien in ihrem Besitz, widerspricht Jenzen energisch. Ihm gehört an der Grasseler Straße eigenen Angaben zufolge ein etwa 7000 Quadratmeter großes Grundstück, das in der Verlängerung der Bahn liegt.

Jenzen: "Mich hat nie jemand gefragt, ob ich es verkaufen möchte. Ich gehe davon aus, dass beim Planfeststellungsverfahren schlecht recherchiert worden ist und ich vergessen wurde."

Die Antwort des in Waggum wohnenden Flugkapitäns auf ein Verkaufsangebot wäre aber ohnehin negativ ausgefallen. "Ich will nicht verkaufen", betont er: "Es wird kein Weg daran vorbeiführen, mich zu enteignen."

Dass sich das Ackerland seit mehr als 100 Jahren im Familienbesitz befindet, seine Eltern und Großeltern dort Landwirtschaft betrieben, spiele bei seiner abwehrenden Haltung keine Rolle. Für Nostalgie ist kein Platz, Jenzen hat rationale Beweggründe für sein Nein. Er sagt: "Ich halte den Flughafen-Ausbau ökologisch und ökonomisch für einen Super-Gau. Leider haben alle inhaltlichen Argumente vor Gericht nie gezählt. Da ging es nur um die prozessualen Aspekte."

Jenzen drückt seinen Protest auch auf einem großen Schild auf seinem Grundstück aus. Darauf heißt es: Keine Waldvernichtung für VW.

Hinzu käme die "unglaubliche Geldvernichtung" durch den Ausbau. Jenzen sagt, der Braunschweiger Flughafen erziele seit zehn Jahren keinen Gewinn. Zuletzt habe er 1,8 Millionen Euro Verlust gemacht. Seine Rechnung: "Dieser Verlust wird noch größer, denn durch die Vergrößerung des Flughafens werden die Betriebskosten steigen."

"Es geht um Naturzerstörung und Geldvernichtung"

Der Flugkapitän resümiert: "Es geht nicht um mich oder mein Grundstück. Es geht um Naturzerstörung und Geldvernichtung." Zumal VW als Mitbesitzer des Flughafens für seine größte Firmenmaschine, den Airbus 320, die nicht weit entfernten Flughäfen Hannover und Magdeburg nutzen könnte, die über eine erforderlich lange Start- und Landebahn verfügen. Jenzen: "Auch daran erkennt man den Irrsinn dieses reinen Prestigeobjekts."

Wenn dieser Tage die Harvester anrücken und mit dem Baumfällen beginnen, will Jenzen es nicht hinnehmen, dass die schweren Fahrzeuge über sein Grundstück fahren, dort parken oder gar arbeiten. Ein von ihm beauftragter Rechtsanwalt erteilte der Flughafengesellschaft und dem Baumfäll-Unternehmen gestern vorsorglich Hausverbot für Jenzens Grundstück in Waggum und droht mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Die Flughafengesellschaft ficht das nicht an. Ein Sprecher: "Um die Harvester in den Wald zu bringen, ist Herrn Jenzens Grundstück nicht erforderlich, weil wir dafür das Areal entlang der Landeanflugbefeuerung nutzen können. Es wird keine Verzögerungen geben."

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