Gericht weist Antrag auf Stopp des Baumfällens im Querumer Forst ab

Demonstranten in Sperrzone – Polizei löst Versammlung auf – Nabu wegen Flughafen-Prozessen in Finanznot

Eine Gruppe von Ausbaugegnern der Flughafen-Startbahn besetzte die Sperrzone der Fällarbeiten im Querumer Forst. Für die Verlängerung der Startbahn müssen 33 Hektar gerodet werden.

Foto: Rudolf Flentje

Eine Gruppe von Ausbaugegnern der Flughafen-Startbahn besetzte die Sperrzone der Fällarbeiten im Querumer Forst. Für die Verlängerung der Startbahn müssen 33 Hektar gerodet werden. Foto: Rudolf Flentje

Rund 50 Demonstranten drangen gestern in die Sperrzone der Baumfällarbeiten für die Verlängerung der Landebahn des Flughafens. Sie besetzten die Rodungsfläche.

Am Nachmittag löste die Polizei die Versammlung auf und erteilte Platzverweise. Von acht uneinsichtigen Störern, so die Polizei, wurden die Personalien festgestellt. Sie werden wegen Ordnungswidrigkeiten angezeigt.

Bei einer ersten und anderen Gruppe von Demonstranten hatte die Deeskalations-Taktik der Polizei noch gefruchtet. Sie verließ die Sperrzone widerstandslos. Diese Demonstranten waren gegen 11.30 Uhr erstmals in den Sicherheitsbereich gekommen

Waldarbeiter reagierten besonnen auf Besetzungen

Besonnen agierten die Arbeiter des Unternehmens, das mit dem Fällen beauftragt ist. Sie hielten die Harvester genannte Fällmaschine an. Der permanente private Sicherheitsdienst blieb im Hintergrund und beschränkte sich auf das Beobachten.

Nach Aufforderung durch die Polizei wichen die Demonstranten etwa gegen 14 Uhr widerstandslos hinter das Absperrband. Einige verließen bereits da den Wald.

Die Polizei hatte versichert, dass die Fällarbeiten so lange ruhen würden, bis das Verwaltungsgericht Braunschweig über den am Wochenende eingegangenen Eilantrag des Naturschutzbundes, Bezirksgruppe Braunschweig, auf einstweilige Verfügung gegen das Baumfällen entschieden habe. Die Ablehnung kam gegen 14.30 Uhr.

Danach wurden die Fällarbeiten wieder aufgenommen, ehe erneut Demonstranten in die Sperrzone eindrangen und die Polizei mit etwa 20 Beamten einschritt.

Die Demonstranten monierten neben ihren bekannten Naturschutzargumenten die Störung der Sonntagsruhe durch die Baumfällungen und mangelhafte Kartierung von Höhlenbäumen.

Boris Gelfert, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, versicherte gegenüber unserer Zeitung die Existenz der Genehmigung, auch an Wochenende Bäume fällen zu dürfen.

Das Verwaltungsgericht begründet, so die Flughafengesellschaft, seine Entscheidung vor allem damit, dass der Nabu nicht befugt gewesen sei, diesen Antrag zu stellen. Auch sei mit der Flughafengesellschaft der falsche Antragsgegner gewählt worden. Das Gericht habe in seinem Urteil, so die Flughafengesellschaft, am darauf hingewiesen, dass die untere Naturschutzbehörde weiterhin die Einhaltung der naturschutzrechtlichen Bestimmungen zu überwachen habe.

Schon 100 000 Euro Gerichtskosten der Gegner

Die Nabu-Bezirksgruppe hat auch diesmal die Kosten des Verfahrens zu tragen. Dabei ist die Organisation bereits jetzt durch durch die Klagen gegen die Verlängerung der Start- und Landebahn in finanzielle Schieflage geraten. Auf der Internetseite des Nabu heißt es: "Um alle Rechtsanwalts- und Gerichtskosten bezahlen zu können, benötigen wir jetzt innerhalb kürzester Zeit noch rund 14 400 Euro, zum Beispiel durch 360 Spenden á 40 Euro. Wir bitten jetzt dringend um eine breite Unterstützung."

Insgesamt seien zunächst bei den Bürgerinitiativen und nach dem Gerichtsverfahren beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg beim Nabu Kosten von rund 100 000 Euro entstanden.

"Ich hoffe, dass uns die Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger, für die wir ja stellvertrtetend geklagt haben, nicht im Regen stehen lassen. Andernfalls werden wir andere wichtige Naturschutzaufgaben nicht wahrnehmen können", sagt Nabu-Vorsitzender Carlo Fuchs. Insolvenz drohe nicht, weil der Nabu Bankvermögen habe, trat er in Kreisen von Ausbaugegnern kursierenden Vermutungen entgegen.

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