Volkswagen zu Flughafen-Ausstieg: Ziel des Engagements ist erreicht

Spekulationen um Gründe – Keine Auswirkungen auf laufendes Geschäft und Ausbau erwartet

Die Flughafengesellschaft verliert ihren zweitgrößten Anteilseigner und springt selbst in die Bresche. Nach BZ-Informationen wird sich die Volkswagen AG von ihren 35,6 Prozent trennen.

Für vermutlich den symbolischen Kaufpreis von einem Euro wird die Flughafengesellschaft die Anteile übernehmen. Vollzogen werden soll der Wechsel in der Gesellschafterversammlung Anfang September.

VW hatte die Anteile 1997 und 2009 jeweils vom Land Niedersachsen übernommen. CDU und FDP hatten sich im Rahmen des Koalitionsvertrags darauf verständigt, sich von Beteiligungen des Landes an Unternehmen zu trennen.

Im März des vergangenen Jahres hatte der damalige Ministerpräsident Christian Wulff noch erklärt: "Ich freue mich darüber, dass VW nun auch den verbliebenen Anteil des Landes übernimmt, denn VW ist Hauptnutzer des Flughafens."

VW hatte ebenfalls den symbolischen Kaufpreis von einem Euro gezahlt. Der Nominalwert hatte nach unseren Informationen aus dem vergangenen Jahr knapp 110 000 Euro betragen. Demnach hätte das jetzt doppelte so große Paket einen Wert von knapp 220 000 Euro.

Die Freude des heutigen Bundespräsidenten Wulff währte nur kurz. Ein VW-Sprecher bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass der Konzern aus der Flughafengesellschaft aussteigen werde. Gründe nannte er nicht.

Denkbar ist allerdings, dass VW-intern die Frage gestellt wurde, ob ein Autokonzern überhaupt Anteilseigner an einem Flughafen sein sollte und die Antwort darauf nein hieß. Denkbar ist auch, dass die Kritik der Ausbaugegner Volkswagen gestört hat, weiterer möglicher Imageschaden im Zusammenhang mit der Startbahnverlängerung und damit verbundenen erforderlichen Eingriffen in die Natur verhindert werden soll.

Kostengründe spielen bei der Volkswagen-Entscheidung offenbar keine Rolle. Denn nach BZ-Informationen ist angestrebt, dass VW den Betriebskosten-Anteil weiterhin zahlt. Für das vergangene und das laufende Jahr kam noch das Land mit je 400 000 Euro auf.

Wörtlich sagte der VW-Specher: "Volkswagen hat sich am Flughafen beteiligt, um zu helfen, dieser wichtigen Infrastruktureinrichtung eine gute und sichere Basis für die Zukunft zu geben. Das ist in den vergangenen Jahren gelungen. Nachdem der Ausbau erfolgreich gestartet ist, übernimmt die Flughafengesellschaft die 35,6 Prozent."

Über mögliche Konsequenzen des Ausstiegs wurde auch auf Nachfrage keinerlei Stellung bezogen. Seitens VW, der Stadt und der Volkswagen AG wurde unisono auf die Gesellschafterversammlung Anfang September verwiesen.

Oberbürgermeister Gert Hoffmann kommentierte: "Die Stadt Braunschweig dankt Volkswagen für die jahrelange Beteiligung und Unterstützung des wichtigen Projektes Ausbau des Forschungsflughafens Braunschweig-Wolfsburg. Mit dem erfolgreich begonnenen und fortgeschrittenen Ausbau des Flughafens wurde das Ziel des VW-Engagements mit der Gesellschaftsbeteiligung erreicht. Volkswagen wird ein wichtiger Nutzer des Flughafens bleiben und damit den Flughafen auch weiterhin unterstützen."

Die Übernahme der VW-Anteile wird für das laufende Geschäft am Flughafen und die Verlängerung der Start- und Landebahn keine gravierenden Veränderungen nach sich ziehen, meinen Experten.

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