Opfer der Asche-Wolke – TU-Präsident Hesselbach verpasst seine Wiederwahl

Braunschweiger Uni-Gruppe tritt die Heimreise von China aus mit der Transsibirischen Eisenbahn an

Der TU-Präsident hat vorgestern seine Wiederwahl verpasst. Professor Jürgen Hesselbach ist Opfer der Vulkanasche-Wolke geworden und muss aus Peking mit der Transsibirischen Eisenbahn zurückreisen. Verspätung: 10 Tage.

"Wir machen gerade einen Selbstversuch zum eurasischen Verkehrsverbund", erklärt der TU-Präsident lachend am Telefon. Wir erreichen ihn per Mobiltelefon in der Mongolei kurz vor der russischen Grenze. "Herrliche Landschaft, unendliche Weite, fantastische Blicke – und der mongolische Speisewagen ist auch großartig", schwärmt Hesselbach. "Eine Reise, die man immer schon mal gern gemacht, aber wohl nie angetreten hätte." Das einzige, was er vermisse: "ein schönes kühles Weizen-Bier".

Mit einer Rückflug-Möglichkeit sei voraussichtlich erst nach dem 6. Mai zu rechnen gewesen, erklärt Hesselbach die Entscheidung, den Zug zu nehmen. Am Montagnachmittag wird die Delegation Moskau erreichen; Ankunft in Braunschweig ist – wenn alles reibungslos läuft – Mittwochnacht nächster Woche.

"Einfach verrückt", meint Hesselbach, "ich hätte nie geglaubt, dass eine solche Reise für neun Leute in so kurzer Zeit organisiert werden kann."

Die Delegation habe eine wunderbare Unterstützung durch die neuen Partner in China bekommen. "Die Verkehrsuni untersteht dem chinesischen Eisenbahnministerium, und Uni-Mitarbeiter haben es fertiggebracht, ruckzuck die Zugfahrkarten zu organisieren." Innerhalb von zwei Tagen sei es auch gelungen, die erforderlichen Visa für die Mongolei und Russland zu erhalten. Von Moskau soll es schließlich weitergehen über St. Petersburg und Helsinki auf die Fähre nach Travemünde.

Untätig ist die Reisegruppe aus Braunschweig in der Eisenbahn aber nicht. "Wir haben kleine Arbeitsgruppen gebildet und können dank Mobiltelefon und Laptop prima kommunizieren." Dass Hesselbach vorgestern nicht an der Senatssitzung teilnehmen konnte, bei der die Wahl des Präsidenten auf der Tagesordnung stand, kommentiert er verschmitzt mit den Worten: "Was will man machen?"

Die Wahl wurde kurzfristig auf den 19. Mai verschoben. Einziger vorgeschlagener Kandidat der Findungskommission: Jürgen Hesselbach.

Die neunköpfige Delegation aus Braunschweig hatte mit der Beijing Jiaotong Universität einen Kooperationsvertrag zum Thema Mobilität und Verkehr unterzeichnet. Hesselbach wurde dabei unter anderem begleitet von Dr. Christoph Herrmann aus dem Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik, Professor Thomas Vietor vom Institut für Konstruktionstechnik und Professor Eckehard Schnieder vom Institut für Verkehrssicherheit und Automatisierungstechnik.

Hesselbach reist regelmäßig als Dozent nach Peking und Shanghai: Seit 2002 ist er Professor ehrenhalber an der Pekinger Universität für Luft- und Raumfahrttechnik und seit 2003 Professor am Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg der Tongji-Universität Shanghai.

Zur Sendung "Hochschulquartett" des Deutschlandfunks, die am 30. April ab 19 Uhr aus der Aula der TU im Haus der Wissenschaft live übertragen wird, wird Hesselbach zurückerwartet.

Selbst fern der Heimat ist die Delegation auf dem neuesten Wissensstand. Auch das jüngste Eintracht-Ergebnis, das 1:1 gegen Kiel, hat die Truppe erreicht. "Klar, Fußball verfolgen wir auch in der Steppe von Ulan-Ude", mailt uns mit dem obenstehenden Foto Delegations-Mitglied Christoph Herrmann.

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